Serbien
Letztes Mosaikstück

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Die Unabhängigkeitserklärung des Kosovos hat auch die letzten serbischen Träumer auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Dem endgültigen Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens hat sich auch der serbische Regierungschef Kostunica nicht mehr entgegenstemmen können. Sein Rücktritt ist daher nur konsequent.

Kostunica hat seit langem ein gefährliches Spiel betrieben. Seine Liebäugelei mit den Ultranationalisten trieb das Land immer weiter in eine tiefe Polarisierung; die Brücken, die die Europäische Union Belgrad geschlagen hatte, ignorierte der Ministerpräsident stur. Wie tief das Land mittlerweile zwischen Nationalisten und Anhängern einer Europa zugewandten Politik zerrissen ist, haben vor wenigen Wochen erst die Präsidentschaftswahlen gezeigt.

Die Modernisierung Serbiens kann nur in, nicht gegen Europa gelingen. Aber wollen die Serben bei den für den 11. Mai anstehenden Wahlen die tiefen Gräben durch die Gesellschaft wirklich überwinden? Das ist keineswegs sicher. Denn die Nationalisten dürften so lange nicht klein beigeben, wie sie mit der Unterstützung Russlands rechnen können. Der Taktiker Kostunica, dem es bisher schon gelungen ist, aus einer Minderheitenposition seiner Partei ins Amt des Regierungschefs zu rücken, wird darauf spekulieren, dass der Allianz der Ewiggestrigen in Serbien noch einmal die Mehrheit zufällt.

Eine riskante Kalkulation. Für die Lösung der politischen Blockade und die Integration des Balkan-Staates in die EU wäre das ein herber Rückschlag. Daher hängt jetzt viel vom Geschick des Staatsoberhaupts Tadic ab. Gelingt es ihm, die Serben so weit von den Vorzügen einer Annäherung an die Europäische Union zu überzeugen, dass die Reformer wieder Oberwasser gewinnen, dann könnte der letzte Mosaikstein in die Neuordnung Osteuropas eingefügt werden. Aber ausgemacht ist das nicht.

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