Sicherheit
Schäubles Fehlschuss

  • 0

Da hat wohl einer im letzten Moment die Reißleine gezogen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, sonst im Umgang mit Kritikern nicht für Schüchternheit bekannt, hat den Plan seines Ministeriums, das Mindestalter für den Besitz großkalibriger Sport-Schusswaffen von 18 auf 21 Jahre herabzusetzen, eiligst wieder eingerollt – gerade noch rechtzeitig, bevor größerer politischer Schaden entstehen konnte. Ob das zum Schutz der Bevölkerung nötig war, darüber kann man streiten. Aber politisch wäre ein solcher Schritt für Schäuble und seine Partei, die CDU, verheerend gewesen.

Das Mindestalter war erst vor fünf Jahren auf 21 heraufgesetzt worden. Anlass war das Massaker, das der damals 19-jährige Schüler Robert Steinhäuser in einem Gymnasium in Erfurt angerichtet hatte. Ob das Land dadurch tatsächlich viel sicherer wird, wenn Nachwuchs-Sportschützen an ihrem Sportgerät kein Eigentum erwerben dürfen? Kann sein, kann aber auch nicht sein. Tatsache ist jedenfalls, dass die Freigabe ein fatales sicherheitspolitisches Signal gewesen wäre. Ob der Rückzug auf Befehl der Kanzlerin oder aus eigener Einsicht eingeleitet wurde, ist dabei zweitrangig: So viel Weitblick wird man Schäuble zutrauen dürfen, dass er die Brisanz der Lage, in die er zu geraten drohte, selbst erkannt hat.

In den USA – zumindest in weiten Teilen des Landes – gehört das Recht, mit der eigenen Waffe für die eigene Sicherheit sorgen zu dürfen, zum unantastbaren Kernbestand der Bürgerfreiheit. In keinem anderen Punkt sind Alte und Neue Welt kulturell verschiedener als in diesem:In Deutschland wird es als Verlust, nicht als Gewinn an Sicherheit empfunden, wenn Bürger Waffen besitzen. Schäuble, der für die Union den konservativen Flügel bei der Stange halten muss, darf keinen Zweifel daran entstehen lassen, wofür er steht: für mehr Sicherheit, nicht für weniger.

Kommentare zu " Sicherheit: Schäubles Fehlschuss"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%