Sicherheitspolitik
Trotzkopf Putin

  • 0

Europa zeigt seine Muskeln, und Wladimir Putin schwant Böses, hat prompt die Hosen voll? Natürlich war es Zufall, dass Russlands Präsident unmittelbar vor der traditionellen Parade zum französischen Nationalfeiertag, an der erstmals Soldaten aus allen EU-Staaten aufmarschierten, den Vertrag über Konventionelle Rüstung in Europa (KSE) aussetzte. Denn eine Militärmacht Europa muss niemand fürchten. Realität ist, dass von sicherheitspolitischer Kooperation in der EU nur wenig, von Integration gar überhaupt nichts zu sehen ist. Schließlich weiß jedermann: Der Herr im Kreml ist schlicht beleidigt. Es fuchst ihn, dass die USA ein neues System zur Abwehr von Raketen installieren wollen. Und als Affront wertet er, dass sie dies ausgerechnet auch in zwei Staaten wagen, die einst zum Sowjetreich gehörten. Und weil die Amerikaner dann auch noch seine Offerte, Radaranlagen in Aserbaidschan gemeinsam zu nutzen, brüsk ausschlugen, macht er jetzt seine bereits im April formulierte Drohung mit dem Ausstieg aus dem KSE-Vertrag wahr.

Sicher, Putin hat ein stichhaltiges Argument: Die Mehrzahl der Nato-Staaten hat die 1999 modifizierte Fassung dieser Vereinbarung zur Rüstungskontrolle nicht ratifiziert. Und die Begründung, Russland habe nach wie vor Truppen in Moldawien und Georgien stationiert, muss nicht jeden überzeugen. Aber gleichwohl muss sich der russische Präsident die Frage nach dem Nutzen seiner Trotzreaktion stellen lassen: Will er neue Panzer, neue Haubitzen, neue Kampfflugzeuge bauen lassen? Und wenn ja, was will er mit den dann aufgerüsteten Arsenalen? Träumt er von einer Renaissance des glorreichen Sowjetimperiums? Putin sollte doch wissen, wo seine wahren Interessen liegen: in einem friedfertigen Europa, das einen riesigen Markt für Russlands reiche Energieschätze bietet.

Kommentare zu " Sicherheitspolitik: Trotzkopf Putin"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%