Sieg von Barack Obama
Kommentar: Hillarys Wälle wanken

Der haushohe Sieg von Barack Obama in den Ostküstenstaaten ist mehr als ein Etappensieg. Und nicht nur, weil er nun zum ersten Mal nach allen Zählweisen der klarer Frontrunner der Demokraten ist. Viel schwerer wiegt, dass der einstige Herausforderer in die Wählerhochburgen von Hillary Clinton einbricht: Zunehmend stimmen ältere und ärmere Wähler, Frauen und zum Teil sogar die spanischsprachigen Einwanderer für Obama. Clintons letzter Verteidigungswall wankt.
  • 0

Der haushohe Sieg von Barack Obama in den Ostküstenstaaten ist mehr als ein Etappensieg. Und nicht nur, weil er nun zum ersten Mal nach allen Zählweisen der klarer Frontrunner der Demokraten ist. Viel schwerer wiegt, dass der einstige Herausforderer in die Wählerhochburgen von Hillary Clinton einbricht: Zunehmend stimmen ältere und ärmere Wähler, Frauen und zum Teil sogar die spanischsprachigen Einwanderer für Obama. Clintons letzter Verteidigungswall wankt.

Die Exitpolls zeigen eine deutliche Erosion der Wählerbasis von Hillary Clinton an: 60 Prozent der Wähler in Maryland und Virgina haben den Afroamerikaner gewählt. Bei den Männern insgesamt waren es zwei Drittel. Dass inzwischen 90 Prozent der Schwarzen für Obama stimmen, ist kaum noch der Rede wert. Aber auch bei den Weißen hat er jetzt mit Clinton gleichgezogen.

Eine entscheidende Rolle kommt jetzt den spanischsprechenden Einwanderern, den so genannten Hispanics, zu. Sie hatten bislang aus alter Verbundenheit zu Bill treu zu den Clintons gestanden. Sie sollen Hillary Clintons Kampagne mit einem überzeugenden Sieg bei der Wahl im bevölkerungsreichen Texas am 4. März retten. Doch selbst hier kommt Obama voran: In Maryland und Virginia ist ihr Bevölkerungsanteil zwar gering, aber hier wählten sie zum ersten Mal eine knappe Mehrheit der Hispanics Obama.

Damit entsteht über das allgemeine Momentum hinaus ein Trend, der für Clinton nur noch sehr schwer zu brechen ist. Seit dem Super Tuesday kann Obama einen Sieg nach dem anderen verkünden. Er hat weit mehr Bundesstaaten und Wählerstimmen und die meisten Delegierten gewonnen. Hillary Clinton fährt dagegen eine bittere Niederlage nach der anderen ein, hat Probleme mit den Finanzen und verliert neben Mitarbeitern auch prominente Unterstützer.

Ihre letzte Hoffnung ruht nun auf Ohio und Texas - und auf den Superdelegierten. In den beiden großen Bundesstaaten führt sie laut Umfragen zwar derzeit, aber das ist nun nicht mehr in Stein gemeißelt. Und auf die Superdelegierten kann sie sich erst recht nicht verlassen: früher oder später werden diese Vertreter des Parteiadels eine Zwischenbilanz ziehen - und auf die Seite des Siegers überwechseln. Im Moment sieht es ganz so aus, als ob dieser Barack Obama heißen könnte.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik

Kommentare zu " Sieg von Barack Obama: Kommentar: Hillarys Wälle wanken"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%