Siemens
Aufgeflogen

Man wird dem Hause Siemens nicht zu nahe treten mit der Behauptung, es tätige viele seiner Geschäfte auf Feldern und in Ländern, die nicht nur beim Korruptionsbekämpfer Transparency International unter besonderer Beobachtung stehen.

Schließlich ist es kein Zufall, dass Europas größter Technologiekonzern immer wieder ins Visier der Staatsanwaltschaften geriet, wenn es um unsaubere Geschäfte diesseits und jenseits unserer Staatsgrenzen ging. Es bleibt freilich dabei, dass es in vielen Teilen dieser Welt bis heute unmöglich ist, ohne Gefälligkeit Geschäfte zu machen, nicht nur China-Reisende wissen dies. Insofern hatte der deutsche Gesetzgeber auch lange Zeit besonderes Realitätsbewusstsein bewiesen, als er Bakschisch zumindest im Ausland als abzugsfähig anerkannte.

Für Siemens und den ohnehin unter Druck stehenden Konzernchef Klaus Kleinfeld kommen die jetzigen Ermittlungen dennoch zur Unzeit. Da ist einmal das Ausmaß der Razzien, die schon auf den ersten Blick den Eindruck nahe legen, hier sei ein illegales Netz innerhalb des Konzerns geknüpft worden, dessen Enden bis in dessen Zentrale reichen. Hinzu kommt der Zeitpunkt, der unglücklicher für Kleinfeld nicht sein könnte. Gerade erst hatte er sich mit präsentablen Jahreszahlen scheinbar Ruhe verschafft, schon brennt das Haus wieder.

Schließlich stehen keine Siemens-Subalternen unter Verdacht, es geht um aktive Führungskräfte, Siemens könnte unter Generalverdacht fallen. Für Kleinfeld, dessen Vertrag im Frühjahr zur Verlängerung ansteht, wäre das eine gefährliche Konstellation. Irgendwann könnte der Aufsichtsrat zu dem Schluss kommen, der Ruf des Unternehmen sei nur noch mit einem personellen Befreiungsschlags zu retten.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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