Siemens
Bandenwesen

Ist es, frei nach Adenauer, ein Abgrund von Firmenverrat? Oder steckt dahinter doch nur Siemens-Methode?

Und ist es daher vielleicht sogar ein Komplott gegen den Vorstandschef? Viele erschütternde Fragen ranken sich um die jüngste Affäre im Hause eines Konzerns, der doch eigentlich etwas ganz anderes liefern soll: Hi-Tech, Zukunftsperspektiven, gute Dinge für die Welt von morgen.

Die Visionen des Klaus Kleinfeld, sie verpuffen im jüngsten Skandal, als wären sie nicht einmal heiße Luft. Wenn Hunderte von Ermittlern durch Siemens-Büros stöbern, wenn das Büro des Vorstandsvorsitzenden gefilzt und gar eine „Bande“ von Verdächtigen in Haft genommen wird, dann hat die Affäre um die schwarzen Siemens-Kassen eine Dimension angenommen, die alles, was man sonst mit dem türkisfarbenen Schriftzug verbindet, an die Seite drängt.

Schon wieder, wie bei der Erhöhung der Vorstandsbezüge und der Pleite von BenQ, kochen die Emotionen hoch. Wer was warum unterschlagen hat, das scheint derzeit kaum von Bedeutung. Dafür drängt sich die Frage der Verantwortung nach vorne. Denn Siemens insgesamt steht am Pranger. Wie ist so etwas möglich, ruft die aufgebrachte organisierte Öffentlichkeit mit einem gehörigen Schuss von Scheinheiligkeit.

Doch was soll Kleinfeld, der Bemitleidenswerte, anderes tun, als die Kontrollmechanismen zu verschärfen? Er kann derzeit wohl nur hoffen, auch diese Krise zu überstehen. Dies gilt freilich auch für Heinrich von Pierer, den Aufsichtsratschef. Nach seiner Verantwortung zu fragen, drängt sich tatsächlich auf. Dass man im Konzern seit mehr als einem Jahr um die schwarzen Kassen wusste und doch nur halbherzig reagierte, ist nicht zu entschuldigen. Der Image-Schaden könnte Siemens viel teurer zu stehen kommen als all das schwarze Geld.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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