Siemens
Dazugelernt

Eines muss man Klaus Kleinfeld lassen: Er lernt dazu. Der Siemens-Chef tut zwar nach wie vor alles, um den Münchener Konzern auf einen strammen Gewinnkurs zu bringen. Doch gestern hat Kleinfeld verkündet, einen neuen, großen IT-Bereich schaffen zu wollen. Damit zeigt der Manager, dass er aus seinen Fehlern der vergangenen Monate die richtigen Schlüsse gezogen hat.

Zum einen beweist der Siemens-Chef der Öffentlichkeit, dass er auch schwer angeschlagenen Bereichen eine Chance gibt. Zuletzt war Kleinfeld oft vorgeworfen worden, sich vorschnell von schwachen Geschäftsfeldern zu trennen. Zudem signalisiert er, dass Siemens bereit ist, Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten.

Den Kern des neuen IT-Bereichs bildet SBS, der größte Verlustbringer bei Siemens, seit der Konzern im vergangenen Jahr die Handysparte abgestoßen hat. Allein schon die Tatsache, dass Kleinfeld trotz der schlechten Zahlen an SBS festhält, dürfte ihm viele Sympathiepunkte bringen.

Seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren hat Kleinfeld bei Mitarbeitern, Gewerkschaften und in der Öffentlichkeit viel an Prestige verloren. Zuletzt provozierte er fast nur noch negative Schlagzeilen. Da war die von ihm vorangetriebene Übernahme der Siemens-Handys durch BenQ, die sich zum Desaster entwickelte. Dann kam auch noch die unsensible und inzwischen zurückgenommene Erhöhung der Vorstandsgehälter um satte 30 Prozent.

Sollte das gestern verkündete Konzept eines starken Software- und IT-Servicebereichs aufgehen, kann Kleinfeld aber gleich auf zwei Seiten gewinnen. Anleger und Analysten werden sich über gute Zahlen freuen. Und die Beschäftigten haben endlich einen sicheren Arbeitsplatz.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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