Siemens
Fatale Debatte

Von Christoph Hardt

Die deutsche Wirtschaft hat ihre Alten wiederentdeckt. 50 plus ist in. Insofern entspräche das, was sich in der Siemens AG andeutet, dem Zeitgeist. Ein 64-Jähriger ersetzt einen 49-Jährigen. Gerhard Cromme, zuletzt in Unruhe gereift, folgt auf Klaus Kleinfeld, den gestrauchelten Gipfelstürmer. Das wäre eine bemerkenswerte Wendung der Ereignisse, die sich derzeit im 80-Milliarden-Tollhaus abspielen. Versucht man, die republikweit grassierende Siemens-Erregung für einen Augenblick zu dämpfen, so scheint so viel klar: Cromme, der Chef des Prüfungsausschusses, ist zum Schluss gekommen, dass es eines grundlegenden Neuanfangs an der Spitze des Konzerns bedarf. Dass die amerikanische Börsenaufsicht SEC ihre Ermittlungen formal bereits verschärft hat, verdeutlicht den Ernst der Lage. Dass Klaus Kleinfeld in den vergangenen Tagen fast schon penetrant betonte, wie weiß seine Weste im Schmiergeldskandal doch sei, dürfte Cromme sogar noch bestärkt haben. Wahrscheinlich wäre das noch Monate so weitergegangen. Es war also Zeit für einen tiefen Schnitt.

Doch die Operation Neuanfang ist schlecht gelaufen, auch auf Grund gezielter Indiskretionen steht Cromme plötzlich ohne geeigneten Nachfolger für Kleinfeld da. Schon droht eine groteske Debatte, in der alle nur denkbaren Namen hochkochen. Kajo Neukirchen für Siemens? Nicht nur für das deutsche Vorzeigeunternehmen, auch für Cromme, den Saubermann, kann diese Gespensterdebatte ganz schnell fatal werden. Es muss also eine schnelle Lösung her. Und da liegt in der Verzweiflung das Modell Sihler nahe. Zur Erinnerung: Das war der freundliche grauhaarige Herr, der, als Ron Sommer geschasst war, die Telekom vor dem Chaos rettete. Aber vielleicht ist das alles auch nur der blanke Unsinn. In Sachen Siemens ist ja derzeit alles erlaubt.

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