Siemens
Im Land des Lächelns

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Mag er auch ein wenig steif wirken zu Beginn, die Berufung des Österreichers Peter Löscher zum neuen Konzernchef ist für den von Skandalen erschütterten Weltkonzern Siemens ein Segen. Davon zeugt die Atmosphäre gespannter Freundlichkeit, die dem Neuen überall entgegenschlägt. Vorbei ist die Dauererregung, fort das Grundmisstrauen. Das hat natürlich viel mit dem Charme des Neubeginns zu tun, noch bewegt sich Peter Löscher im Land des Lächelns. Doch der Alltag kommt, dann dürfte es auch Tränen geben. Schon in naher Zukunft wird man von ihm Ergebnisse sehen wollen: sowohl bei der Aufklärung des Schmiergeld-Skandals als auch beim Umbau des schwerfälligen Konzerns.

Schließlich ist es offensichtlich, dass die organisierte Unverantwortlichkeit in der Siemens-Spitze für dunkle Machenschaften ein geradezu idealer Nährboden war. Gerade deshalb hat Gerhard Cromme, der Aufsichtsratschef, seinem Schützling zuallererst die Aufgabe mitgegeben, den Konzern weniger komplex, schneller und effizienter zu machen. Was dabei herauskommt? In klarer Abgrenzung zum bisweilen nassforschen Stil seines Vorgängers Kleinfeld wird der Österreicher den Reformprozess zunächst im Dialog mit seinen Kollegen vorantreiben. Ob diese ihm folgen werden, ist die andere Frage. Doch man sollte die Durchsetzungskraft des 49 Jahre alten Teamspielers nicht unterschätzen. Hinzu kommt, dass die meisten seiner Vorstandskollegen, um es vornehm zu sagen, angezählt sind. Bei allen Aufgaben, die vor ihm liegen, findet Löscher daher günstige Rahmenbedingungen vor, um als Erneuerer in die Siemens-Geschichte einzugehen. Und sollte es hart auf hart kommen, ist da ja auch noch Gerhard Cromme. Dem ist auch im eigenen Interesse daran gelegen, dass sein Wunschkandidat gute Arbeit abliefert.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter

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