Siemens
Implodierende Deutschland AG

Die heutige Aufsichtsratssitzung bei Siemens könnte als Beerdigung der Deutschland AG in die Geschichte eingehen. Das Treffen birgt unglaubliche Sprengkraft. Denn jenseits der Frage was nun bei Siemens werden soll, geht es um etwas weit Größeres. Es droht jenes Netzwerk mächtiger Männer, die über die Geschicke der heimischen Wirtschaft entscheiden, auseinander zu reißen.

Das Drama, das im November mit einer groß angelegten Durchsuchung der Konzernzentrale durch die Staatsanwaltschaft begann und in der letzten Woche Mr. Siemens, Heinrich von Pierer, den Kopf als Aufsichtsratsvorsitzenden kostete, hat epische Ausmaße angenommen.

So absurd es klingt: Ob der Siemens-Chef Klaus Kleinfeld weitermachen darf, ist längst nachrangig. Denn es steht das Schicksal des größten deutschen Technologiekonzerns auf dem Spiel. Versinkt dieses nationale Monument im Chaos? Wird die Führungskrise die Unternehmenskultur nachhaltig beschädigen? Schwebt der durch die beispiellose Schmiergeldaffäre ohnehin gebeutelte Konzern nun durch die unglaublichen Vorgänge an der Firmenspitze in existenziellen Nöten? Die langfristigen Folgen der ungeheuren Vorgänge lassen sich heute noch gar nicht abschätzen.

Wie ist die Gefechtslage? Auf der einen Seite hat sich der designierte Siemens-Oberaufseher Gerhard Cromme mit Josef Ackermann von der Deutschen Bank verbündet, um Kleinfeld zu stürzen. Der frühere Thyssen-Krupp-Chef, der sich als Gralshüter der korrekten Corporate Governance in Deutschland ansieht, fordert ebenso wie der mächtigste Banker des Landes einen echten Neuanfang bei Siemens. Doch die beiden Herren haben sich verrechnet. Ihr Wunschkandidat Wolfgang Reitzle, derzeit Boss beim Industriegase-Hersteller Linde, hat ihnen einen Korb gegeben. Bislang zumindest.

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