Siemens
Kommentar: Aus dem Ruder

Seit Dienstag ist Siemens endgültig ein Skandalkonzern, seit Dienstag hat sich die Lage des Technikriesen extrem verschärft. Mit Johannes Feldmayer sitzt erstmals ein amtierender Zentralvorstand in Haft. Immer deutlicher stellt sich die Frage, ob all das, was in den vergangenen Monaten ans Tageslicht gekommen ist, nicht doch ein System gewesen ist. Schwarze Kassen im Telefonbereich, anonyme Konten der Kraftwerksbauer, zweifelhafte Zahlungen an handzahme Arbeitnehmerorganisationen: Der Verdacht liegt nahe, dass Siemens-Manager notfalls auf die Überzeugungskraft des Geldes vertrauten.

Vordergründig steht mit den Ermittlungen diverser Staatsanwaltschaften die Ära Heinrich von Pierer am Pranger. Natürlich gehörte es zu seinem persönlichen Regiment, Herrschaft durch Freundschaft ausüben – oder das, was man dafür hält. Nicht erst seit Helmut Kohl ist in diesem Zusammenhang die Nützlichkeit schwarzer Kassen bekannt. Doch hat man Pierer bislang kein Fehlverhalten nachweisen können. Aber im Zweifelsfall würde es nicht mehr reichen, wenn er persönlich Konsequenzen zöge. Denn inzwischen geht es um mehr.

Die Verhaftung Feldmayers erschüttert Siemens in den Grundfesten. Er ist als integrer Manager bekannt, galt als einer der potenziellen Nachfolger von Pierers, ist Kleinfelds Antipode. Wenn so einer ins Gefängnis muss, dann ist in der Organisation insgesamt etwas schwer aus dem Ruder gelaufen.Daher muss man auch nach Klaus Kleinfeld fragen, der als Meister Proper auftritt. Aber auch er ist Teil des alten Systems gewesen. Möglich, dass er sich mit seiner neuen Rolle übernimmt. Seit gestern spricht vieles für einen wirklich gründlichen Neuanfang.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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