Siemens
Kommentar: Die Woche

Der Fall Siemens steht für einen Neubeginn in Sachen gute Unternehmensführung; der Fall von Pierer für einen anderen Umgang mit der Wirtschaftselite.
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Für Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer wird es die entscheidende Woche. Die Staatsanwaltschaft will in den kommenden Tagen bekannt geben, ob sie gegen den ehemaligen Chefberater der Bundesregierung Ermittlungen in der Schmiergeldaffäre des Siemens-Konzerns aufnimmt. Der Konzern selbst prüft Schadenersatzansprüche. Die Aufnahme des einstigen Vorzeigemanagers in den Kreis der von der Staatsanwaltschaft Verdächtigten wäre ein tiefer Einschnitt in diesem Verfahren. Für von Pierer selbst wäre es wie eine Vorverurteilung.

Niemand hätte vor zwei Jahren geglaubt, dass einer der führenden deutschen Konzerne einmal in einen derartigen Abgrund blicken könnte. Und erst recht niemand hätte prognostiziert, dass es gleich mehrere prominente Manager derart radikal und konsequent von der Bildfläche fegen könnte. Der Fall Siemens steht für einen Neubeginn in Sachen gute Unternehmensführung; der Fall von Pierer für einen anderen Umgang mit der Wirtschaftselite.

Schon Josef Ackermann musste erfahren, dass Spitzenmanager sich nicht (mehr) aus der Verantwortung stehlen können. In der Abfindungsaffäre bei Mannesmann gab es immerhin noch zwei Lager. Neider standen gegen die Verteidiger des verantwortungsbewussten Umgangs mit Aktionärsvermögen. Bei Siemens aber gibt es keine Lager mehr, allenfalls gibt es ein paar Unbelehrbare. Und die laufen Gefahr, nun selbst vor Gericht zu kommen.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann ist zur Tagesordnung zurückgekehrt. Von Pierer wird das nicht können. Er trägt seine persönliche Verantwortung. An ihm wird aber auch gemessen, wie mit dem Fall Siemens ingesamt umgegangen wird. Von Pierers ist bis zum bitteren Ende Mr. Siemens.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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