Siemens
Kommentar: Frommer Wunsch

Endlich reinen Tisch in der Korruptionsaffäre machen - das wollen viele bei Siemens. Aber es bleibt schwierig.
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Die Aufklärung der Siemens-Schmiergeldaffäre bleibt ein quälend mühsamer Prozess. Wer aktiver Täter war, wer Mitläufer und wer unschuldig, das konnte auch der jüngste Bericht der internen Siemens-Ermittler nicht endgültig klären. So waren auch die Spekulationen über millionenschwere Schadensersatzklagen gegen Ex-Chef Heinrich von Pierer und Konsorten verfrüht. Zwar bekräftigte der Aufsichtsrat, dass er Täter zur Kasse bitten will. Die Ansprüche müssen aber erst einmal weiter geprüft werden.

So wird es in den kommenden Monaten noch viele Überraschungen in der Affäre geben. Der Bericht von Debevoise & Plimpton bestätigte einmal mehr, dass Korruption in vielen Bereichen eher gängige Praxis denn Ausnahme war. Die Zahl der Mitwisser und Mittäter im Konzern muss entsprechend groß sein. So könnte der personelle Aderlass an Führungskräften weitergehen. Zahlreiche Manager wurden im Zuge der Umstrukturierungen der vergangenen Monate bereits ausgetauscht.

Zumindest in der obersten Führungsspitze soll nun aber Schluss sein mit den Hiobsbotschaften. Vergangene Woche hatte sich die Hoffnung zerschlagen, dass die neue Führungsspitze unbeschadet aus der Affäre herauskommt. Vorstand Erich Reinhardt erklärte seinen Rücktritt wegen zahlreicher Korruptionsvergehen in seiner Medizintechniksparte.

Da wurde gleich spekuliert, wer wohl der Nächste sein wird. Gern genannt wurde dabei zum Beispiel Finanzvorstand Joe Kaeser, der früher in der korruptionsverseuchten Kommunikationssparte Com tätig war. Er und seine Vorstandskollegen wurden nun von den internen Ermittlern nochmals durchleuchtet – und für sauber befunden. Ob Reinhardt aber wirklich der letzte Siemens-Promi war, der über die Affäre stolperte, wagt im Konzern niemand zu garantieren.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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