Siemens
Kommentar: Lauter Verlierer

Das eigentlich Dramatische am Siemens-Drama ist, dass es noch kein Ende gefunden hat. Denn Deutschlands größter Technologiekonzern ist seit Mittwoch führungslos. Der Rücktritt von Klaus Kleinfeld ist nicht die Lösung des Problems. Vielmehr lässt der Schritt das Riesenunternehmen noch tiefer ins Chaos sinken.

Nachdem in der letzten Woche mit Heinrich von Pierer bereits der Übervater seinen Abschied vom Aufsichtsratsvorsitz erklärt hat, muss sich das Unternehmen zu allem Überfluss jetzt auch noch einen neuen Vorstandschef suchen. Und dies in einer äußerst delikaten Phase: Siemens befindet sich nicht nur in einem tief greifenden Umbau, sondern auch inmitten einer schlimmen Schmiergeldaffäre, die noch lange nicht ausgestanden ist. Ohne Identifikationsfigur und ohne Kopf ist dies eine echte Zerreißprobe für den hochkomplexen Konzern.

Der neue Vorsitzende des Kontrollgremiums, Gerhard Cromme, muss nun die Suppe auslöffeln, die er sich gemeinsam mit dem stellvertretenden Aufsichtsratschef Josef Ackermann eingebrockt hat. Unter der Federführung der beiden Topmanager ist die Demontage des Klaus Kleinfeld betrieben worden. Doch der Thyssen-Krupp-Veteran und der Deutsche-Bank-Chef haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Man düpiert als Aufsichtsrat keinen Vorstand, wenn man keinen Trumpf im Ärmel hat. Feuern ist immer leichter als Heuern.

Bislang jedenfalls können Cromme und Ackermann ihren Wunschtrumpf nicht aus dem Ärmel ziehen. Noch ziert sich Linde-Chef Wolfgang Reitzle, an die Siemens-Spitze zu wechseln. Auch der Aufsichtsratschef des Industriegaseherstellers, der ehemalige Bayer-Boss Manfred Schneider, weigert sich beharrlich, seinen wertvollsten Mann loszulassen. Zumindest bis Mittwochabend hat er dem Druck widerstanden. Ob er dies aber angesichts der Gefechtslage durchsteht, darf angezweifelt werden.

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