Siemens
Kommentar: Trennung von der Notlösung

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Die Verse von den zehn kleinen Negerlein sind ja politisch unkorrekt. Dennoch fällt einem das Kinderlied ein, wenn man den Schrumpfprozess der Siemens-Truppe verfolgt, der nun auch die zweite Reihe erfasst. Daniel Noa ist als Chief Compliance Officer gescheitert. Den Oberstaatsanwalt beurlauben zu lassen und als Manager bei Siemens einzustellen, das entpuppte sich als krasse Fehlentscheidung. Noa war eine Notlösung, geboren aus der Verzweiflung, die die Siemens-Führung kurz vor Weihnachten erfasste, als die Staatsanwaltschaft mehrere ehemalige Siemens-Granden verhaften ließ. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde dann der Stuttgarter Ermittler verpflichtet, wohl auch, um den Schmiergeld-Ermittlungen ein deutsches Gesicht zu verleihen. Wirklich überraschend kommt der Abgang des Stuttgarter Strafverfolgers nicht. Seit Wochen schon heißt es, Noa habe nur geringe Englisch-Kenntnisse. In einem Verfahren, das durch die scharfen Forderungen der US-Börsenaufsicht SEC bestimmt ist, kann das gefährlich werden. Überdies war Noas Managementerfahrung bescheidener Natur.

Warum er es dann überhaupt gemacht hat? Schwamm drüber, Noa ist letztlich eine Episode. Dass sie vor dem offiziellen Start Peter Löschers endet, belegt allerdings, dass es die neue Führung mit dem Neuanfang wirklich ernst meint. Zöpfe abschneiden, die Ermittlungen vorantreiben, aber vor allem in die Zukunft schauen, so ungefähr lautet das Rezept. Spannend wird die Frage, wen der neue Chef als Nachfolger engagiert. Bekommt Löscher einen international renommierten Fachmann, dürfte dies ihm und Siemens nicht nur beim Publikum, sondern auch bei der SEC zusätzliche Glaubwürdigkeit geben. Dann hätte Noa Siemens mit dem Rückzug einen Dienst erwiesen.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter

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