Siemens
Kommmentar: Dunkle Wolken

Zum Auftakt der Siemens-Halbjahres-Pressekonferenz hat sich natürlich erst einmal alles um das Thema Schmiergeld gedreht. Doch auch ein Blick auf die Zahlen, die der Konzern am Morgen veröffentlichte, lohnt sich. Bisher schien es eine seltsam zweigeteilte Welt: Während der Konzern immer neue Hiobsbotschaften zum Thema Korruption vorlegen musste, lief das Geschäft glänzend. Doch nun ziehen dunkle Wolken auf.
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Zum Auftakt der Siemens-Halbjahres-Pressekonferenz hat sich natürlich erst einmal alles um das Thema Schmiergeld gedreht. Doch auch ein Blick auf die Zahlen, die der Konzern am Morgen veröffentlichte, lohnt sich. Bisher schien es eine seltsam zweigeteilte Welt: Während der Konzern immer neue Hiobsbotschaften zum Thema Korruption vorlegen musste, lief das Geschäft glänzend. Doch nun ziehen dunkle Wolken auf: Als Infrastruktur-Spezialist und Anlagenbauer spürt Siemens die konjunkturelle Abkühlung. Die Auswirkungen der Finanzkrise werden nach Einschätzung von Konzernchef Peter Löscher zudem erst in einigen Monaten so richtig auf die Realwirtschaft durchschlagen. Der Wind wird rauer für den Technologiekonzern.

Hinzu kommen hausgemachte Probleme: Die enormen Zuwächse bei Auftragseingang und Umsatz in den vergangenen Jahren waren teuer erkauft. Siemens nahm mehr Aufträge rein, als der Konzern abarbeiten konnte. Zudem garantierte das Unternehmen teils Festpreise bei schlüsselfertigen Projekten. Das rächt sich, wenn Probleme auftauchen oder Rohstoffe teurer werden. Die Folge sind immense Altlasten. Löscher ließ alle Großprojekte unter die Lupe nehmen. Das Ergebnis sind sind Wertberichtigungen und Rückstellungen in Höhe von fast 900 Mill. Euro im zweiten Quartal. Der Siemens-Gewinn brach deshalb ein. Solche Sonderlasten sind ein altes Siemens-Problem. An ein Geschäftsjahr, in dem nicht überraschend Probleme in diesem oder jenem Geschäftsbereich auftauchten, können sich wohl nur Wirtschaftshistoriker erinnern. Ob mit der aktuellen Aufräumaktion in Zukunft nun keine negativen Überraschungen mehr auftauchen, muss Löscher erst noch beweisen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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