SIEMENS
Lachnummer

Willkommen im Sumpf, Herr Cromme!
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Viel hat Siemens in den vergangenen Monaten erlebt, mit dem Rückzug von Wolfgang Reitzle aber erreicht die Kompetenz zur Lösung der Krise ihren Tiefpunkt. Die Suche nach einem neuen Siemens-Chef hat vor allem eins bewiesen: Unvermögen. Erst geht der Aufsichtsratschef unter Druck seines Nachfolgers von dannen, dann sickert der Name eines heißen Kandidaten für den Chefposten durch, dann tritt der amtierende Chef zurück, zwei Wochen lang spekuliert die halbe Nation, ehe Cromme auch noch den Lieblingskandidaten verliert – womit am Ende alle Beteiligten erheblich lädiert wären.

Schon geistern im Hause Siemens die Untergangsszenarien durch die Flure. Von der amerikanischen Börsenaufsicht SEC heißt es, sie habe signalisiert, noch nie eine solche Dimension von Fehlverhalten wie bei Siemens gesehen zu haben. So mag Panik im Spiel gewesen sein, als der Aufsichtsrat dem halbstark agierenden Klaus Kleinfeld die Gefolgschaft verweigerte. Doch Angst ist bekanntlich der schlechteste Ratgeber. Und wie die Dinge jetzt laufen, wird Gerhard Cromme in den kommenden Tagen kaum die nötige Ruhe finden, um souverän zu agieren.

Es scheint vielmehr, als habe er die Gefahren unterschätzt, auf die er sich einließ, als er Pierer aus dem Amt drängte. Jetzt steht der Ruhrbaron in München einem Unternehmen vor, das unregierbar wirkt. Der Vorstand in Auflösung, der Aufsichtsrat zerstritten, das gesellschaftliche und mediale Umfeld extrem feindlich.

Wehe aber, Cromme übernimmt in all seiner Not übergangsweise den Posten Kleinfelds. Das wäre nicht nur ein Anschlag auf die persönliche Glaubwürdigkeit. Er gäbe Siemens damit international der Lächerlichkeit preis.

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