SIEMENS
Rechtzeitiger Rückzug

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Endlich hat sich Heinrich von Pierer einmal selbst einen Gefallen getan. Gekränkt durch die massive öffentliche Kritik hatte der langjährige Siemens-Vorstandschef in der Schmiergeldaffäre vieles falsch gemacht. Zu lange klebte Pierer am Siemens-Aufsichtsratsvorsitz, statt zumindest eine politische Verantwortung zu übernehmen und zurückzutreten. Auch mit Worten des Bedauerns tat sich der 67-Jährige schwer. Der Rückzug aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank aber ist die richtige Entscheidung. Sie erspart ihm eine weitere unwürdige Debatte.

Lange Zeit gab es enge geschäftliche Bande zwischen Siemens und der Deutschen Bank. Erster Vorstandssprecher des Kreditinstituts war Georg von Siemens, ein Cousin des Konzerngründers Werner von Siemens. Später waren beide Unternehmen Teil der Deutschland AG, deren Repräsentant auch Pierer war. Als Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in der Mannesmann-Affäre unter Druck stand, hielt sein Kontrolleur Pierer zu ihm.

Die Deutschland AG aber ist Geschichte, und auch das gute Verhältnis zwischen Pierer und Ackermann hat Risse bekommen. Der Schweizer ging in der Schmiergeldaffäre auf Distanz zur alten Siemens-Führung, Wenn es solche systematischen Verfehlungen bei seiner Bank gebe, werde er am nächsten Tag zurücktreten, sagte Ackermann. Entweder sei er dann Teil der Affäre, oder er habe nichts mitbekommen. Das sei dann schlechte Führung. Das durfte wohl als klarer Wink in Pierers Richtung gewertet werden.

Im Fall des Aufsichtsratspostens zog Pierer nun Konsequenzen, obwohl die Staatsanwaltschaft kein Strafverfahren eingeleitet hatte, sondern nur wegen einer möglichen Ordnungswidrigkeit ermittelt. Der Deutschen Bank hat er damit lästige Diskussionen erspart.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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