Siemens-Trennung von SIS
Frohe Botschaft trotz hohen Preises

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Ende ohne Schrecken. Nach diesem Motto hat Siemens-Chef Peter Löscher nun sein größtes Sorgenkind losgeschlagen. Obwohl das zunächst noch einmal kostet, ist ihm damit ein Befreiungsschlag gelungen.
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Der seit vielen Jahren kriselnde IT-Dienstleister SIS wird an die französische Atos Origin verkauft. Im laufenden Geschäftsjahr 2010/11 wird dieser Schritt das Ergebnis noch einmal belasten. Doch das ist nur eine Randnotiz.

Ob Atos und SIS gemeinsam auf dem Weltmarkt eine bedeutende Rolle spielen können, das muss sich erst noch erweisen. Schließlich sind beide vor allem in Europa stark vertreten. Ob der neue IT-Riese in Sachen Profitabilität je mit den Besten der Branche wird mitspielen können, darf bezweifelt werden. Doch Siemens muss die lästige Tochter in jedem Fall nicht mehr bei sich konsolidieren - und kann sich ganz auf das hochprofitable Geschäft in den Sparten Industrie, Gesundheit und Energie konzentrieren.

Nicht vergessen darf man in diesem Moment, dass die Geschichte von SIS - früher SBS - ein einziges Trauerspiel ist. Immer wieder wechselte Siemens die Strategie, tauschte das Management aus. Doch unter dem Strich blieben meist Verluste. Auch Löscher schien zunächst keine andere zukunftsträchtige Strategie zu finden.

Doch mit einem massiven Stellenabbau und der Ausgliederung in eine eigenständige Gesellschaft wurde die Braut nun aufgehübscht. Immer wieder hatte es in den vergangenen Jahren Verhandlungen mit Atos gegeben. Doch zum Abschluss kam es nie. Daher musste Siemens nun eine kräftige Mitgift mit auf den Weg geben. Zum einen garantiert der Konzern für sämtliche Risiken, die sich im Nachhinein noch offenbaren könnten. Zudem bekommt Atos Origin einen Sieben-Jahres-Vertrag über 5,5 Milliarden Euro für die Übernahme der weltweiten Siemens-IT-Infrastruktur.

Der Preis für die Trennung also ist hoch für Siemens. Der Verkauf von SIS ist das Eingeständnis des unternehmerischen Scheiterns. Doch das war im Grunde schon seit langem klar. Mit einem klaren Schnitt sorgt Löscher nun für Klarheit. Daher ist die Trennung von SIS für Siemens eine gute Nachricht - so hoch der Preis kurzfristig auch sein mag.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

Kommentare zu " Siemens-Trennung von SIS: Frohe Botschaft trotz hohen Preises"

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  • Mit "Ende ohne Schrecken" ist hier wohl in absichtlicher Verballhornung von "ein Schrecken ohne Ende" gemeint, dass SiS über kurz oder lang sowieso pleite gegangen wäre ohne dass es jemanden überrascht hätte.

    Trotzdem fände ich es eleganter wenn stattdessen das griffigere "Schrecken ohne Ende" verwendet würde, denn das trifft ja durchaus auch zu.

    Nun gut, wie immer bei der Kunst liegt hier bei der jeweiligen Variante die Schönheit im Auge des betrachters. ;-)

  • Das "Ende ohne Schrecken", über das Herr Höpner hier schwadroniert, ist noch immer nicht korrigiert. Wie viele Hinweise von Lesern (und wie viele Stunden) braucht das Handelsblatt noch, bis zumindest elementarste Qualitätsstandards eingehalten werden?

  • Siemens hat mit SiS nur bewiesen, dass es keine kreativen Köpfe im Siemens-Management gibt. SiS hat weit mehr Entwicklungspower als so kleine Unternehmen wie z.b. Google. Das sagt eigentlich alles aus!

    Mit der Mitgift alleine, wäre es schon möglich ein funktionierendes Unternehmen daraus zu machen. Der Verkauf war völlig überflüssig. Man hätte mal lieber eigene Produkte machen sollen...

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