Siemens
Verfaultes System

Als einen „Spuk“ bezeichnet Heinrich von Pierer, der Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens, die Korruption in seinem Hause. Für einen Spuk sind die Vorgänge aber verdammt real. Wirkte der von der Staatsanwaltschaft bislang auf 200 Millionen Euro taxierte Schaden bereits enorm, so kann man die nun von Finanzvorstand Joe Kaeser genannte Summe der zweifelhaften Zahlungen von 420 Millionen Euro nur als astronomisch bezeichnen. Unabhängig davon, welcher Teil dieses Betrages tatsächlich als Schmiergeld eingesetzt worden ist: Die Masse an dubiosen Belegen ist ein schlagendes Indiz, dass die Prüfmechanismen in dem Weltkonzern bestenfalls Provinzniveau erreicht haben. Nur zwei Erklärungen sind dafür denkbar: Entweder hat, was heute niemand annehmen will, der Vorstand Korruption und schwarze Kassen stillschweigend toleriert. Denn damit hätte er sich kriminell verhalten. Oder aber er hat es nicht geschafft, ein funktionierendes Kontrollsystem aufzubauen. Dann hätte er schlicht versagt.

Beide Szenarien werfen ein schlechtes Licht auf jene Manager, die Siemens in den letzten Jahren geführt haben, vor allem auf von Pierer, der von 1992 bis 2005 an der Konzernspitze stand. Sein Argument, man könne sich gegen kriminelle Machenschaften einfach nicht schützen, ist schwach. Denn erst materielle Schwächen des Systems haben die gesetzeswidrigen Handlungen ermöglicht. Ein Letztes: Wie muss es um die Führungskultur bestellt sein, wenn ganze Gruppen leitender Mitarbeiter gemeinsame Sache bei schmutzigen Geschäften machen? Mafiöse Strukturen bilden sich nicht in Unternehmen aus, deren Prinzipien Offenheit, Fairness und Korrektheit lauten. Auch diese Frage muss sich der heutige Aufsichtsratschef stellen.

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