Siemens
Werners Erbe

Es handelt sich nicht um irgendein Geschäft. Wenn im Vorfeld der Halbjahreszahlen, die Siemens am morgigen Donnerstag präsentiert, wieder einmal heftig über die Zukunft der Kommunikationssparte des Unternehmens spekuliert wird, dann geht es um die Wurzeln des größten deutschen Technologiekonzerns.

Denn 1847 hat Werner von Siemens die Grundlage für die Firma mit der Entwicklung eines Zeigertelegrafen gelegt. Heute, fast 160 Jahre später, ist die Kommunikation noch immer der mit Abstand größte Bereich. Mit 13 Milliarden Euro erwirtschaftet Com, so heißt das Geschäft intern, mehr Umsatz als viele Konzerne im Dax.

Allerdings ist die Sparte auch die bei weitem größte Baustelle von Siemens. Und das nicht erst seit heute. Seit einigen Jahren schon verfehlt Com immer wieder seine Ziele. Zuletzt schrieb der Bereich nur wegen eines Aktienverkaufs schwarze Zahlen. Die anhaltende Misere würde nicht weiter für Furore sorgen, wenn der neue Konzernchef Klaus Kleinfeld nicht der Kommunikationssparte – und allen anderen Sparten – ein Ultimatum gesetzt hätte. Nächstes Jahr müssen sie Margen erreichen, die sich an den besten Wettbewerbern der jeweiligen Branche orientieren.

Für Com bedeutet das eine Rendite von acht bis elf Prozent vor Zinsen und Steuern. Davon ist das Geschäftsfeld jedoch meilenweit entfernt. Nur ein anderer Siemens-Bereich steht noch schlechter da: der wie Com im Segment Information und Kommunikation angesiedelte IT-Dienstleister SBS, der tief in den roten Zahlen steckt. Deshalb wird in regelmäßigen Abständen spekuliert, Siemens werde Com und SBS abstoßen oder zerschlagen – und sich damit gleichsam von seinen Ursprüngen verabschieden.

Nur der Firmenhistorie wegen wird Kleinfeld die Geschäftsfelder nicht behalten. Allerdings ist es auch vermessen, zu glauben, er könne einen Koloss wie den Kommunikationssektor einfach verkaufen. Ein Geschäftsfeld dieser Größe könnten nur wenige Wettbewerber schlucken – wenn sie es denn überhaupt wollten. Denn Com kämpft seit Jahren mit tief greifenden Problemen, sowohl intern als auch am Markt.

Legionen von Managern haben versucht, den schwerfälligen Dampfer wieder in Fahrt zu bringen. Bislang mit gemischten Ergebnissen. Die Vorstände haben Tausende Stellen gestrichen, ohne dass sich die Ergebnisse entscheidend verbessert hätten. Das hoch defizitäre Handygeschäft verschenkte Siemens vergangenes Jahr sogar mit einer ordentlichen Mitgift an BenQ aus Taiwan. Der Konzern sah keine Chance mehr, die Sparte selbst zu sanieren.

Seite 1:

Werners Erbe

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%