SILICON SAXONY
Auf Sand gebaut

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Hat Dresden einfach nur Pech? Oder ist die sächsische Landeshauptstadt nicht vielmehr ein Beispiel, wie staatliche Förderung den Markt verzerrt und deshalb Kapital in die falsche Richtung lenkt? Tatsache ist, dass das „Silicon Saxony“ in immer größere Schwierigkeiten gerät. Das über Jahre hinweg von Politikern wie Managern gleichermaßen gefeierte Zentrum der Halbleiterindustrie an der Elbe muss einen Tiefschlag nach dem anderen hinnehmen.

Erst gestern hat AMD angekündigt, dass weltweit jeder zehnte Job gestrichen wird. Das wird kaum ohne Folgen für Dresden bleiben, stehen dort doch die beiden einzigen eigenen Fabriken des Konzerns. Zuvor hatten bereits die lokalen Schwergewichte Infineon und Qimonda angekündigt, Stellen abzubauen. Ein lange geplantes neues Werk hat Qimonda erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben.

So unterschiedlich die drei Chipkonzerne sind, eines haben sie doch gemeinsam: Sie schreiben tiefrote Zahlen. Große Investitionen dieser Unternehmen sind deshalb in nächster Zeit ganz gewiss nicht zu erwarten – im Gegenteil: Es wäre schon eine enorme Leistung, wenn die Produktion auf ihrem jetzigen Niveau bliebe. Dass sich andere große Chiphersteller ansiedeln, ist unwahrscheinlich. Denn in Asien sprudeln die Subventionen üppiger als in Europa, zudem locken riesige Märkte.

Immer deutlicher zeigt sich, dass die Chiphochburg Dresden auf Sand gebaut ist und die staatlichen Beihilfen der Anfangszeit auf Dauer keine Arbeitsplätze garantieren können. Böse Zungen mögen einwenden, dass das schon immer klar war – schließlich ist der Grundstoff eines jeden Halbleiters Silizium, also letztlich: Sand.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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