Silvio Berlusconi
Freispruch? Gut so!

Silvio Berlusconi ist im Prozess wegen Amtsmissbrauch und Sex mit Minderjährigen freigesprochen worden. Gut so! Kein Gerichtsverfahren sollte dem Politiker Berlusconi ein Ende bereiten, sondern seine verfehlte Politik.
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MailandSilvio Berlusconi ist in dem Prozess um Sex mit einer Minderjährigen freigesprochen worden. Und das ist gut so. Es sollten nicht die Richter sein, die Berlusconi sein politisches Ende bereiten, sondern die Italiener.

Und ob Ruby Rubacuore nun 17 oder 18 war, als sie sich Berlusconi auf welche Art auch immer körperlich genähert hat, ist nicht entscheidend für das Land. Es ist auch nicht entscheidend, ob Berlusconi wilde Sex-Partys in der Villa Arcore gefeiert hat.

Berlusconis Verhalten ist zwar durchaus moralisch verwerflich. Aber politisch ist es nicht entscheidend, wenn er gut regiert hätte. Das wahre Problem liegt darin, dass Berlusconi während seiner verschiedenen Amtszeiten in den vergangenen 20 Jahren Italien heruntergewirtschaftet hat und das obwohl er jahrelang über sehr bequeme Mehrheiten verfügte. Dafür sollte er zur Rechenschaft gezogen werden.

Und das tun derzeit die Wähler, beziehungsweise Matteo Renzi. All die von Berlusconi enttäuschten Unternehmer, die in den letzten 20 Jahren die Lohnnebenkosten und Steuern immer höher steigen sahen, sie haben bei den Europawahlen Matteo Renzis „PD“ gewählt.

Renzi ist es, der Berlusconi sein politisches Grab schaufeln kann. Renzi ist derzeit der Macher, den Berlusconi immer gegeben hat ohne wirklich etwas zu tun. Deshalb ist Berlusconi auch so still geworden und unterstützt Renzi sogar bei einzelnen institutionellen Reformen. Er weiß: Gegen Renzi hat er keine Chance. Der ist mindestens genauso charismatisch wie er und kann genauso gut Witze reißen und Wahlkampf machen.

Wenn Renzi in den kommenden Monaten auch noch sein Programm durchsetzt, dann ist Berlusconi politisch tot. Ganz ohne Richter und Verbote von öffentlichen Ämtern.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Silvio Berlusconi: Freispruch? Gut so!"

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  • Frau Katharina Kort, was Sie da schreiben ist Ihre persönliche Auffassung, sehr subjektiv und entbehrt sowohl gesunder Menschenkenntnis als auch Kenntnis der Fakten. 1) Ist es ausgeschlossen dass ein Mensch (Berlusconi), der sich als nicht integer erwiesen hat, daher ethisch und moralisch verwerflich ist, als Politiker umgekehrt aber konstruktiv agieren kann. Dies ist ein Wiederspruch! 2) Zu Herrn Renzi, den Sie über jeden Klee loben, ist anzumerken dass er, wie Berlusconi, nicht die Wahrheit sagt (Italien kann es schaffen) und all seine Äußerungen und kurzfristigen Aktionen (80 Euro mehr Gehalt für alle bla,bla,bla) rein populistischer Natur sind um seine Macht zu konservieren und ihm zu erlauben solange als möglich davon zu profitieren. Seine Abmachungen mit Berlusconi lassen tief blicken. Nur soviel; Berlusconi war schon immer berühmt dafür dass er seine Ziele erreicht hat indem er alle bestochen hat. 3) Ist das Italienische Wahlfolk kein unschuldiges Lamm was, wie in einer Diktatur, immer nur die macht gewisser Herren erdulden musste, sondern hat diese Herren aus niederen, egoistischen und selbstsüchtigen Erwägungen über 40 Jahre immer wieder an die Macht gewählt und tut es immernoch (siehe Renzi). Und 4) ist Italien mit seinen Richtern seid langem kein Rechstaat mehr, da die Gleichen das Grundgesetz mit Füssen treten und jede Möglichkeit nutzen bestehende Gesetze nicht zu respektieren und zu untergraben. Die Motive hierfür können verschiedener Natur sein (das kann sich jeder selbst überlegen), aber auch wenn sie nur aus Sorge um Italiens Zukunft bestehen, so sind sie dennoch nicht nur falsch, zumal nicht im Kompetenzbereich der Richter, sondern sie führen erst recht zum Niedergang Italiens. Da fällt einem am ende nur Plato ein der sagte: “Duldet ein Volk die Untreue und die Fahrlässigkeit von Richtern und Ärzten, so ist es dekadent und steht vor der Auflösung”.

  • "Aber politisch ist es nicht entscheidend, wenn er gut regiert hätte. "

    Das ist eine sehr gefährliche Argumentation. Denn es heißt im Umkehrschluß:

    Wenn gut regiert wird (das allein ist schon ein sehr dehnbarer Begriff) sind Recht und Gesetz für Politiker egal und der Zweck heiligt die Mittel. Damit kann man auch jede Diktatur rechtfertigen, Hauptsache die Menschen sind satt und haben genügend Unterhaltung. Aber es paßt zum HB, daß so etwas immer wieder mal geschrieben wird, denn schließlich kümmern sich unsere Regierung und die Eurokraten auch nicht um Gesetze, Verträge, Verfassungen, etc. .

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