Simbabwe
Diktatoren-Dämmerung

In Simbabwe herrscht Diktatorendämmerung. Zum ersten Mal in den 28 Jahren seiner immer brutaleren Herrschaft hat es den Anschein, also ob Robert Mugabe die Macht entgleitet.
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KAPSTADT. In Simbabwe herrscht Diktatorendämmerung. Zum ersten Mal in den 28 Jahren seiner immer brutaleren Herrschaft hat es den Anschein, also ob Robert Mugabe die Macht entgleitet. Seit fast einer Woche ist von dem Diktator nichts zu sehen. Offenbar haben ihn die herbe Wahlschlappe und die immer tieferen Risse in der eigenen Partei nun doch bewogen, die Konditionen seines Rückzugs zu verhandeln.



Viele Optionen bleiben Mugabe nicht: Nachdem sein Regime bereits seine einst große Mehrheit im Parlament an die Opposition verloren hat, scheint Mugabe auch im Rennen um das Präsidentenamt gegen seinen Erzfeind Morgan Tsvangirai zu unterliegen. Die Frage ist eigentlich nur, ob der Oppositionsführer gleich in der ersten Runde die erforderliche absolute Mehrheit erhält oder in eine Stichwahl mit Mugabe muss. Ob es dazu aber wirklich kommt, darf schon deshalb bezweifelt werden, weil Mugabe dort unter normalen Umständen ein noch größeres Waterloo und somit eine noch tiefere Demütigung droht.



Dass es soweit gekommen ist, hat sich der 84-Jährige selber zuzuschreiben: Jahrelang hat er alle Hoffnung auf politische und wirtschaftliche Reformen bitter enttäuscht, hat alle Versprechen gebrochen und die Zivilgesellschaft seines Landes systematisch ausgehebelt. Nach den vielen Grausamkeiten gegen die eigene Bevölkerung geht es ihm nun allein noch darum, eine Anklage vor dem internationalen Strafgerichtshof zu vermeiden.



Dass es soweit kommen konnte, liegt zum einen daran, dass der Potentat sich diesmal übel verkalkuliert hat: Völlig isoliert von den Realitäten seines Landes hätte Mugabe nie erwartet, dass sich sein Volk so massiv von ihm abwenden und zur Opposition überlaufen würde. Zudem hat die Konzession des Regimes, die Wahlergebnisse nach der Auszählung vor den Wahllokalen auszuhängen, den Machthaber die Möglichkeit genommen, die Resultate ähnlich eklatant wie in der Vergangenheit zu fälschen.



Gleichwohl hätte all dies nicht gereicht, wenn die von Mugabe zerstörte Wirtschaft nicht fast zeitgleich mit den Wahlen kollabiert wäre. Selbst seine loyalsten Anhänger spüren, dass ihm ein weiterer dubioser Wahlsieg keine Atempause mehr verschafft. Simbabwe befindet sich im letzten Abwärtsstrudel, der nun wohl auch Mugabe fortreißt.



Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent

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