Simbabwe
Ende einer Epoche

Dass die Ära Mugabes mit der neuerlichen Wahlfarce und dem wirtschaftlichen Kollaps des Landes zu Ende geht, steht außer Zweifel. Es wäre jedenfalls ein Wunder, wenn sich sein Regime vor dem Hintergrund sechsstelliger Inflationsraten über die Jahreswende halten könnte.
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Alte Männer, die zu lange an der Macht waren, finden selten den rechten Zeitpunkt, in Würde zu gehen. Robert Gabriel Mugabe ist nur eines der schlimmeren Beispiele dafür. Obwohl sich die Simbabwer lieber heute als morgen des 84-Jährigen und seines korrupten Regimes entledigen würden, krallte sich der Diktator bislang mit allen Mitteln an die Macht.

Wenn etwas an den Gerüchten dran ist, die gestern Abend aus Harare drangen, besteht nun jedoch die Aussicht, dass Mugabes Schreckensherrschaft nach 28 langen Jahren wirklich zu Ende geht. Wie die BBC meldete, soll es nach Angaben aus Oppositionskreisen die Rahmenbedingungen für eine Vereinbarung geben, die den Rücktritt Mugabes vorsieht. Gleichzeitig würde Oppositionsführer Morgan Tsvangirai zum Sieger der Wahl vom vergangenen Samstag erklärt.

Angeblich hatten Vertreter des simbabwischen Regimes und seine Militärchefs unter dem Vorsitz von Südafrika seit Sonntag eine Reihe von Treffen mit der simbabwischen Opposition. Allerdings haben sowohl das Regime in Harare als auch Südafrika ihre Beteiligung an solchen Verhandlungen strikt dementiert.

Wenn es sie gibt, wäre eine solche Vereinbarung gewiss eine Sensation. Denn bislang hatte es wieder ganz so ausgesehen, als ob sich Mugabe auch diesmal, unterstützt von den Chefs der Armee und Polizei, in seinem festungsähnlichen Palast verschanzen und mit Gewalt an der Macht festhalten würde. Wie Simson schien er bislang lieber den Tempel einreißen zu wollen, statt freiwillig zu scheiden. Offenbar spürt er die Zäsur, die sein Sturz bedeuten würde. Es wäre das Ende einer ganzen Epoche.

Diesmal hatte das Regime zudem noch die Dreistigkeit, die Wahlurnen ausschließlich in der Hauptstadt Harare in einer abgeschotteten Kommandozentrale auszählen zu lassen, zu der weder Journalisten noch Wahlbeobachter Zugang haben. Das war eine offene Einladung zum Betrug, weil die Ergebnisse dort fern der Öffentlichkeit seelenruhig gefälscht werden konnten. Die enormen Verzögerungen bei der Bekanntgabe des Wahlergebnisses, das dem Regime vermutlich schon seit Sonntag vorlag, waren ein klares Indiz dafür, dass dies auch geschah. Dabei kann ausgeschlossen werden, dass sich die Mehrheit der Wähler einen Präsidenten wünscht, der Simbabwe wirtschaftlich ruiniert und Millionen seiner Menschen vertrieben hat.

Weil Mugabe weiß, wie tief der Hass des Volkes gegen ihn sitzt, fürchtet der Despot indes, dass er, genau wie bereits der liberianische Diktator Charles Taylor, bei einem Machtverlust vor den internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gestellt würde. Gründe für eine Anklage wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ gäbe es genug. Sie reichen von dem Massaker gegen die Matabele im Jahr 1983 bis zu brutalen Zwangsumsiedlungen. Sollte es tatsächlich zu einer Vereinbarung kommen, würde er sich dafür gewiss Straffreiheit zusichern lassen.

Viel wird in den nächsten Tagen vom Verhalten der Armee und Polizei abhängen. Mugabe hat alles versucht, um sich die Loyalität der Offiziersklasse zu erkaufen. Aber die unteren Ränge sind arm, hungrig und desillusioniert – und sehnen sich wie das Volk nach einem Neuanfang.

Von größter Bedeutung ist in dieser Lage die Reaktion und der anhaltende Druck Afrikas, das die Selbstzerstörung Simbabwes aus einer falsch verstandenen schwarzen Solidarität geduldet hat. Unterstützung hat Mugabe zuvorderst von Südafrikas Präsidenten Thabo Mbeki und dessen ANC erhalten, der mit Mugabes Zanu-Partei die gleiche politische DNA und eine ähnliche Geisteshaltung teilt: Beides waren Widerstandsbewegungen, die gegen ein weißes Minderheitsregime kämpften.

Unabhängig davon, ob tatsächlich eine Vereinbarung getroffen worden ist oder nicht, kann als sicher gelten, dass die Ära Mugabes mit dem wirtschaftlichen Kollaps des Landes nun zu Ende geht. Es wäre jedenfalls ein Wunder, wenn sich sein Regime vor dem Hintergrund sechsstelliger Inflationsraten über die Jahreswende hinaus halten kann. Nur wenn Mugabe jetzt wirklich geht und seine Unterdrückungsmaschinerie demontiert wird, hat Simbabwe eine Chance, seine Spirale des Niedergangs endlich zu durchbrechen – und vielleicht wieder zu dem zu werden, was es früher einmal war: das Juwel Afrikas.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent

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