Société Générale
Kommentar: Bouton trägt die Gesamtverantwortung

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Krise? Welche Krise? Seit Wochen versucht Daniel Bouton, Chef der Großbank Société Générale, den Finanzmärkten einzubläuen, dass mit der erfolgreichen Kapitalstärkung um 5,5 Milliarden Euro der Fall des Betrugshändlers Jérôme Kerviel für ihn und die Bank nun abgeschlossen sei. Von Rücktritt will der Bank-Chef nichts mehr wissen.

Die Durchsuchung des Handelssaals und die vorläufige Festnahme eines weiteren Händlers am Mittwoch erinnern indes daran, dass im Fall Kerviel weiterhin viele Fragen offen sind. Die Affäre ist für die Bank noch lange nicht ausgestanden. Auch nicht für die Führungskräfte des Instituts.

Es ist sicher zu früh, aus der vorläufigen Festnahme eines weiteren Händlers den Schluss zu ziehen, Kerviel habe bei seinen verbotenen Aktienwetten Mithelfer gehabt, was sowohl die Bank als auch Kerviel bisher abstreiten. Sollten die Ermittler die These eines Mittäters indes erhärten, wird es für Bouton & Co. deutlich ungemütlicher. Denn dann muss sich die Führungsspitze den Vorwurf gefallen lassen, dass die von ihnen eingesetzten Kontrollen nicht nur Kerviel, sondern auch einen Komplizen viel zu spät oder gar nicht enttarnt haben.

Die Frage nach der Verantwortung des Top-Managements an dem Desaster ist nach wie vor unbeantwortet. Die Aktionäre werden auf der Hauptversammlung der Bank im Mai gewiss mehr von Bouton als ein „basta, ich bleibe“ hören wollen. Es ist durchaus verständlich, dass Bouton nicht inmitten in der Krise die Brocken hinwerfen wollte. Aber nach dem Milliarden-Verlust nun einfach zur Tagesordnung übergehen zu wollen, ist inakzeptabel.

Der Chef der Bank trägt die Gesamtverantwortung dafür, was in seinem Haus vor sich geht. Daher hätte Bouton längst einen Zeitplan für seinen Abschied in Würde verkünden sollen. Je länger die Ermittlungen andauern, desto dringender erscheint dies.

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