Software
Offen und frei

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Wer heute an DIN-oder ISO-Normen denkt, meint Klarheit. Es gibt eine DIN-Norm, und darauf kann man sich verlassen. DIN-A4 ist DIN-A4. Basta. Aber das könnte ausgerechnet bei Datenformaten für Text-, Präsentations- und Tabellendateien anders werden, also bei typischen Büroanwendungen, die aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind.

Da soll es „ODF“ für die Open-Source-Gemeinde und daneben „OOXML“ für Microsofts „Office 2007“ als ISO-Standards geben. Wenn eine Behörde Unterlagen für eine Ausschreibung im „offenen Dateiformat“ verlangt – was nimmt man dann? Denn erwartungsgemäß verstehen sich die Standards nicht untereinander. Das verwendete Programm kann sie öffnen – oder nicht. Das ist heute schon nerviger PC-Alltag.

Aber was sich bei oberflächlicher Betrachtung als akademisches Problem für Konzerne und Bürohengste anhört, hat in Wahrheit enorme gesellschaftliche Dimensionen. Wir stehen am Beginn der Internet-Zeitrechnung. Das Wissen der Menschheit wird digital. Schon jetzt sind Teile davon nicht mehr auf Papier auffindbar. Da ist es unverzichtbar, dass kein Unternehmen einen Universalschlüssel in der Hand halten darf, um diese digitalen Inhalte zu kontrollieren. Und sei es auf dem Umweg, dass man dieses in Dateien verpackte Wissen nur mit seiner Erlaubnis (sprich einer Softwarelizenz) öffnen darf. Insofern sind offene Standards wichtig und richtig und ist der Weg Microsofts zu mehr Offenheit im Prinzip gut.

Zur Not darf es auch zwei offene Standards geben, wenn sie den Wettbewerb fördern. Aber eines ist klar: Sie müssen wirklich offen für jedermann und frei von Rechten Einzelner sein. Darauf müssen die deutsche DIN und die Weltorganisation ISO penibel achten. Tun sie das nicht, werden wir alle die Zeche bezahlen. Und sie wird nicht billig.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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