Solarenergie
Desertec sucht den Platz an der Sonne

Deutschland hat im teilweise verregneten Sommer eine Vision. Mitte dieses Jahrhunderts soll ein Teil unserer Stromversorgung aus der Sahara kommen. So will es eine Initiative mit dem Namen Desertec, die heute in München ihren Plan vorstellt.

Die Idee ist so einfach wie fantastisch. Man pflastert die sonnigen Wüstenregionen mit Solarzellen zu und leitet die Energie als Strom nach Europa. Die immer scheinende Sonne Afrikas könnte einen Teil unserer Energiesorgen mindern, so die Hoffnung. Selten hat eine Initiative der deutschen Wirtschaft die Gesellschaft so fasziniert.

Noch vor kurzem wäre man in Deutschland für solche Visionen belächelt worden. Heute stellen sich die ersten Adressen der Industrie mit dieser Idee auf die Bühne. Bemerkenswert schnell hat sich deren Einstellung zu alternativen Energien gewandelt. Desertec ist im wahrsten Sinne das Leuchtturmprojekt dieser Bewegung - mehr aber auch noch nicht. Drei Jahre will das Konsortium die Machbarkeit des Projekts prüfen. Das kostet erst einmal wenig.

Die Dimension des Unterfangens erinnert an ein historisches Vorbild. Vor exakt einhundert Jahren suchte die deutsche Industrie auf Geheiß des Kaisers mit dem Bau der Bagdad-Bahn den "Platz an der Sonne". Die strategische Bahnverbindung von Deutschland in den Orient wurde zwar nie wirklich fertig, bescherte aber der Türkei bis heute eine solide deutsche Eisenbahntrasse. Die beteiligten Unternehmen verdienten prächtig an den Aufträgen, die Rendite für den Kaiser bleib aus.

Auch einhundert Jahre später geht es um ein langfristiges Renditeversprechen. Deutschland steuert auf ein massives Energieproblem zu. Kohle und Gas sind als Energieträger endlich. Wollen wir unsere Klimaversprechen ernst nehmen, müssen wir ihren Einsatz begrenzen. Ein Ausbau der Kernkraft ist in Deutschland politisch nicht durchsetzbar, die Verlängerung von Restlaufzeiten verschiebt nur die Notwendigkeit, nach Alternativen zu suchen. Setzen wir zudem auf das Elektroauto, müssen wir auch unseren Mobilitätsbedarf durch zusätzlichen Strom decken. Desertec ist die logische Folge unseres Energiehungers, der trotz aller Bemühungen nicht wirklich kleiner wird.

Erkenntnisse, die in der Industrie längst Allgemeingut sind. Und so geht es auch bei Desertec wie bei der Bagdad-Bahn zu Kaisers-Zeiten um Industrieinteressen. Die Akteure sind bisweilen dieselben geblieben. Siemens drängt mit Macht in das Solargeschäft und hofft auf Milliardenaufträge für seine neue Generation von Stromnetzen. Schott Solar will seine Dünnschschichtmodule verkaufen, die Deutsche Bank an der Finanzierung verdienen. Die Stromkonzerne RWE und Eon sind mit abgestufter Begeisterung an Bord, wollen sich der Entwicklung aber nicht verschließen.

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