Sozialleistungen
Statistikschocker

Seit die Union im Bundestagswahlkampf 2005 von der SPD mit dem Vorwurf der sozialen Kälte fast auf die Bretter geschickt wurde, ist ihr das Herz in die Hose gerutscht.

Friedrich Merz argwöhnt sogar, die CDU lasse sich offensichtlich von dem Kalkül leiten, größere Sozialreformen seien wahlarithmetisch nicht mehr möglich, weil die Zahl der Empfänger von Leistungen aus öffentlichen Kassen inzwischen größer als die Zahl der Arbeitnehmer sei.

Und Ifo-Präsident Hanns-Werner Sinn hat den Statistikschocker so umschrieben: in Deutschland seien 41 Prozent der Erwachsenen Empfänger staatlicher Transfers. „Bild“ hat daraufhin kurz und bündig behauptet, schon 41 Prozent der Deutschen lebten vom Staat. Richtig zugepackt hat Hans-Olaf Henkel mit der Feststellung, immer mehr lägen immer weniger Deutschen auf der Tasche.

Zum Glück ist es nicht so. Unter www. Bildblog.de finden sich die vom Statistischen Bundesamt initiierten Richtigstellungen. Beim Mikrozensus 2005 haben rund 41 Prozent der Haushalte angegeben, ihr Haupteinkommensbezieher lebe überwiegend von Transferleistungen. Diese ausländischen und deutschen Haupteinkommensbezieher eines Haushaltes liegen also keineswegs ausschließlich dem Staat auf der Tasche. Von den 82,7 Millionen Einwohnern Deutschlands leben 29,2 Prozent vom Staat, aber 40,9 Prozent von eigener Erwerbstätigkeit. Vergleichsrechnungen zeigen, dass heute kaum mehr auf Staatskosten leben als vor zehn Jahren.

Der Statistikaufreger ist in Wirklichkeit also keiner. Aber alles beim Alten zu lassen, wäre unverantwortlich. Die Sozialleistungen summieren sich auf fast 700 Milliarden Euro. Die alternde und schrumpfende Bevölkerung macht weitere Sozialreformen zwingend notwendig.

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