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Späte Notbremse

Wäre die Deutsche Bahn bereits ein börsennotiertes Unternehmen, so würde ihr Kurs jetzt vermutlich einbrechen

In einem Kraftakt will sie ihre Schieneninfrastruktur innerhalb von drei Jahren von Grund auf sanieren und dafür Milliardenbeträge in die Hand nehmen. Das mögen Anleger eher weniger. Doch der noch bundeseigene Verkehrskonzern hat – vor einem möglichen Börsengang – gar keine andere Wahl. Offensichtlich hat sich der Zustand der Schienenwege durch den kräftig gestiegenen Güterverkehr so rapide verschlechtert, dass die Bahn jetzt die Notbremse ziehen muss. Auch wenn größere Baumaßnahmen naturgemäß einen längeren Vorlauf haben – hier stellt sich die Frage, warum das Netz erst in letzter Minute mit der Runderneuerung der Anlagen beginnt. Warnende Stimmen zum maroden Zustand des Fahrwegs hat es in der Vergangenheit genug gegeben.

Streckensperrungen, Verspätungen, Umleitungen, Zugausfälle – das sind sicher keine Botschaften, die bei den Bahntöchtern und ihren Wettbewerbern gut ankommen. Gerade jetzt nicht, wo der Schienenverkehr boomt wie lange nicht. Doch sie werden die Maßnahmen zähneknirschend in Kauf nehmen müssen. In der Hoffnung, dass ihnen nach der Sanierung Unbill erspart bleibt. Und in der Erwartung, dass sie zusätzliche Kapazitäten für das wachsende Verkehrsaufkommen erhalten. Das hängt allerdings nicht von frisch renovierten Gleisen allein ab. Hier ist in hohem Maße die Politik gefordert. Sie muss mit zusätzlichen Investitionen in die Schieneninfrastruktur Engpässe in den Verkehrsknoten und auf überlasteten Strecken abbauen. Sonst stockt der Bahnverkehr bald wieder. Vielleicht hilft ja auch die neu entdeckte Sorge um das Klima, um den Ausbau der teuren Schieneninfrastruktur zu beschleunigen.

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