Spanien
Analyse: Bittere Vorwürfe

Für José María Aznar könnte der Abschied bitterer wohl nicht sein. Statt sich wie geplant nach acht Jahren Amtszeit glorreich zu verabschieden, erlebt der 51-Jährige den wohl schwersten Augenblick seiner politischen Karriere.

Für José María Aznar könnte der Abschied bitterer wohl nicht sein. Statt sich wie geplant nach acht Jahren Amtszeit glorreich zu verabschieden, erlebt der 51-Jährige den wohl schwersten Augenblick seiner politischen Karriere. Spanien trauert – und ist wütend: Viele Spanier vermuten, dass die Regierung aus wahltaktischen Gründen Informationen zurückgehalten hat.

Endgültig aufklären ließ sich die Urheberschaft vor den gestrigen Parlamentswahlen nicht. Doch die Regierung war an den ersten beiden Tagen nach den Anschlägen seltsam bemüht, die baskische Terrorbande für die Anschläge verantwortlich zu machen. Die Regierung habe an Etas Täterschaft nicht den geringsten Zweifel, hieß es schon Stunden nach den Explosionen in Madrid.

Dabei hatte die Bande zwar seit langem ein Attentat in der Hauptstadt geplant, erst vor knapp zwei Wochen waren zwei Etarras daran gehindert worden, die Vorbereitungen dafür zu treffen. Doch die schiere Größenordnung des Massakers, die von mehreren Terroristen koordiniert ausgeführten Explosionen, die eine durch Verhaftungen geschwächte Organisation überfordern, sprachen von Anfang an dagegen.

Dennoch wurde die unsichere Theorie massiv in die Öffentlichkeit getragen. Spaniens Außenministerin startete noch am Tag der Anschläge über die spanischen Botschaften im Ausland eine Kampagne, um die Welt von der Täterschaft der Eta zu überzeugen. Auslandskorrespondenten berichten von Anrufen aus der Regierung, die dasselbe Ziel verfolgten – obwohl zu dieser Zeit schon längst ein gestohlenes Fahrzeug mit Zündern und einer Videokassette mit Koranversen aufgefunden wor-den war. Auch Deutschlands Innenminister Otto Schily bekräftigte die Täterschaft der Eta.

Hatte die spanische Regierung so sehr einen Anschlag von Eta befürchtet, dass jetzt, nach den Attentaten, ein anderer Täter nicht in Frage kommen konnte? Wurde anderen Spuren deswegen keine angemessene Bedeutung gegeben? Oder hat, wie die Opposition argwöhnt, die Regierung Informationen absichtlich zurückgehalten, um einen politischen Vorteil zu erzielen?

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