Sparkassen
Kommentar: Der Markt bricht sich Bahn

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Alle Welt schaut auf den Übernahmekampf in der Hauptstadt, wo die Sparkassen mit einem Kraftakt in Milliardenhöhe verhindern wollen, dass die Landesbank Berlin samt Berliner Sparkasse in private Hände fällt oder an eine Landesbank geht. Abseits davon findet aber ein täglicher Überlebenskampf statt, der viel dramatischer ist. Denn die Ertragslage der 460 Sparkassen hat sich in den vergangenen Monaten drastisch verschlechtert. Das beliebte Spiel, kurzfristige Einlagen in längerfristige Kredite zu verwandeln, bringt nur noch wenig, weil kurz- und langfristige Zinsen sich kaum noch voneinander unterscheiden. Und die Sparkassen schaffen es nicht, diesen Ausfall durch Provisionserträge auszugleichen.

Deshalb trifft die neue Mode, Girokonten kostenlos anzubieten, die Sparkassen ins Mark. Denn die Preise für Grundgebühren, Überweisungen und andere Dienstleistungen sind bei ihnen hoch. Manche Sparkassen generieren 40 Prozent ihrer Gesamterträge aus Provisionserlösen der Girokonten. Deshalb lautet die Grundsatzempfehlung des Verbandes DSGV: „Haltet die Preise hoch.“ Doch der Markt bricht sich Bahn. Die Nulltarif-Angebote von Postbank, Commerzbank und den Direktbanken saugen jährlich Hunderttausende von Kunden ab. Und es gehen nicht die Rentner oder Schüler, sondern die preissensiblen Gutverdiener im Alter zwischen 30 und 50 Jahren.

In dieser Situation hilft kein Mauern mehr. Die Sparkasse Karlsruhe hat das erkannt und geht jetzt mit ihrem kostenlosen Girokonto für alle Kunden in die Offensive. Der Trick bei der Sache: Wer das Nulltarif-Konto will, muss mit dem Kundenberater sprechen und einen Finanz-Check der Haushaltslage machen. So entstehen Kontakte für Zusatzgeschäfte wie Bausparen oder Versicherungen. Hinter dem Nulltarif steht also eine Strategie – nur so funktioniert die Idee.

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