SPD
-

  • 0

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der mächtigste Sozialdemokrat im Land? Vor wenigen Wochen hätte die Antwort noch mitleidiges Gelächter hervorgerufen. Doch seit gestern ist klar: Der Mann heißt Kurt Beck. Mit seinem Husarenstück beim Arbeitslosengeld hat der Bauchmensch aus der Pfalz allen Zweiflern klargemacht, wer bei der SPD das Sagen hat. Der Parteitag wird das eindrucksvoll bestätigen.

Doch der Preis, den der bislang erschreckend blasse Parteichef für seine Selbstrettung zahlt, ist enorm hoch.Das Verhältnis zu Franz Müntefering, dem langjährigen Zuchtmeister und Vordenker der Partei – unwiderruflich zerrüttet. Der rote Vizekanzler – ein Herrscher ohne Truppen. Die künftigen Stellvertreter Steinbrück und Steinmeier – vor lauter Opportunismus auf Zwergenmaß geschrumpft. Der Programmentwurf des „vorsorgenden“ Sozialstaats – als pure Farce entlarvt.

Nicht nur Beck wird sich mit einigem Abstand überlegen, ob die Sache ein solches Debakel wert war. Auch Müntefering muss sich fragen, ob seine Unnachgiebigkeit immer hilfreich war. Nicht wenige in der SPD werfen ihm Sturheit auch aus persönlichen Motiven vor. Doch wie immer die genaue Motivlage des wortkargen Sauerländers auch gewesen sein mag: Mit seiner Warnung vor einem Rückfall ins alte Denken sozialdemokratischer Umverteilungsseligkeit hat er bitter recht.

Mag es bei der aktuellen Diskussion „nur“ um eine Milliarde Euro gehen: Die Rücknahme der Kürzung des Arbeitslosengeldes ist für Anhänger und Gegner längst zum Symbol für die generelle Reformbereitschaft der SPD geworden. Der Parteichef hat die Linken ermutigt, die schmerzlichen Erkenntnisse aus der Regierungszeit eilig zu verdrängen. Agenda 2010 war gestern. Nun folgt der „Roll-Beck“

Kommentare zu " SPD: -"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%