SPD
Analyse: Münteferings Macht

Der Vorgang ist erstaunlich. Wie ein begnadeter Feinmechaniker der Macht hat Franz Müntefering die SPD durch die schwierigen vergangenen Wochen gesteuert. Lautlos hat er den Abschied von der Ära Schröder vollzogen, in den Verhandlungen mit der Union beinhartes Selbstbewusstsein gezeigt, eine respektable Mannschaft für die SPD-Ministerposten durchgesetzt, die Fraktion mit der Nominierung des beliebten Peter Struck zum neuen Vormann befriedet und sich selbst eine beispiellose Stellung gesichert.

Parteivorsitzender, Vizekanzler sowie Arbeits- und Rentenminister – das kommt dem von Müntefering einst scherzhaft genannten Traumberuf „Papst“ schon recht nahe.

Doch ausgerechnet beim letzten Schräubchen seines raffinierten Machtgebildes scheint der spröde Sauerländer die Feder überdehnt und das sozialdemokratische Räderwerk in Aufruhr versetzt zu haben: Heftig streitet die Partei über den Kandidaten für das Amt des Generalsekretärs. Der Vorschlag Münteferings hat offenen Widerspruch provoziert. Der Parteichef erlebt eine Kraftprobe.

Müntefering ist ein hohes Risiko eingegangen, als er am Freitagabend zunächst per Fax das SPD-Präsidium und kurz darauf öffentlich in einem Interview seinen langjährigen Vertrauten Kajo Wasserhövel als Generalsekretär vorschlug. Schließlich ging die Parteibasis bis dahin unwidersprochen davon aus, dass dieser Posten der Realo-Linken Andrea Nahles zustehen würde. Um den Generationswechsel in der überalterten SPD zu befördern, hatten führende Vertreter der Linken und der pragmatischen Netzwerker sogar eine Geheimabsprache getroffen: Der Kreis um die 35-jährige Nahles unterstützte die Ambitionen des 46-jährigen Sigmar Gabriel auf einen Ministerposten. Im Gegenzug wollten die Netzwerker der Ex- Juso-Chefin auf der politischen Karriereleiter nach oben helfen.

Über die Gründe, dieses Kalkül undiplomatisch zu durchkreuzen, schweigt sich der wortkarge Müntefering aus. Persönliche Motive könnten eine Rolle gespielt haben: Allzu selbstbewusst, heißt es in Münteferings Umgebung, sei Nahles in den vergangenen Wochen schon als designierte Generalsekretärin aufgetrumpft. So etwas schätzt der Parteichef gar nicht.

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