SPD-Außenminister-Kandidat
Wer ist eigentlich Steinmeier?

Frank-Walter Steinmeier ist einer der Überraschungskandidaten in der SPD-Ministeraufstellung. In der Regierung Schröder war er einer der mächtigsten Männer, in der Öffentlichkeit bislang aber eher eine Randfigur. Steinmeier hat wenig außenpolitische Erfahrung. Doch selbst Unionspolitiker sind über den 49-Jährigen des Lobes voll.

HB BERLIN. Im Unterschied zu seinen Vorgängern war Frank- Walter Steinmeier auf eigenen Wunsch bislang kein Bundesminister. Der Titel war ihm unwichtig. Trotzdem gehörte der 49-Jährige künftige Außenminister seit Gerhard Schröders Amtsübernahme 1998 zu den mächtigsten Politikern der Republik. Als meist im Hintergrund agierender Chef des Kanzleramts (seit Juli 1999 als Nachfolger von Bodo Hombach) war der gebürtige Detmolder so etwas wie "der heimliche Star" des Regierung.

Auch beim politischen Gegner wird kaum etwas Schlechtes über Steinmeier erzählt. Ziemlich geräuschlos erledigte der Jurist, der als perfekter Organisator gilt, einen Job, der auf mehrere Planstellen verteilt werden könnte. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos äußerte sich daher sehr positiv über die Besetzung. Steinmeier sei "sehr effizient" und eigne sich "für jedes Amt", sagte Glos am Donnerstag im ZDF. Der Kanzleramtsminister habe "in der Schaltzentrale geübt" und für Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Politik gemacht. "Warum soll er es nicht selber können?" Steinmeier wäre "ganz sicher" ein guter Außenminister, sagte Glos.

Die Koordinierung der Kabinettsvorlagen sowie die Streitschlichtung zwischen den Ressorts gehörte zu Steinmeiers Hauptaufgaben. Intensiv kümmern musste sich Steinmeier auch um Besonderheiten von Schröders Regierungsstil wie die Steuerung der zahlreichen Kommissionen.

Tüchtiger "trouble shooter"

Wenn es zwischen den Ministerien krachte, vermittelte Steinmeier geräuschlos. Aber es gibt auch erhebliche Vorbehalte. Der Staatssekretär gilt als "Technokrat", was aus dem Mund eines Parteipolitikers sehr abschätzig klingen kann. Seine bisherigen Berühungspunkte mit der Außenpolitik: Nach den Anschlägen von New York war Steinmeier bei den täglichen Beratungen zwischen Schröder, Außenminister Joschka Fischer und Bundesinnenminister Otto Schily dabei.

Sein Aufstieg ist eng mit dem Schröders verbunden. Beide fanden bereits vor 15 Jahren zusammen: 1991 wechselte Steinmeier vom Assistentenplatz an der Universität Gießen nach Hannover. Dort stieg er rasch zum Leiter der niedersächsischen Staatskanzlei unter Schröder auf und erwarb sich schon damals den Ruf eines tüchtigen "trouble shooters".

Letztlich kommt Steinmeier aber nur zum Zug, weil der "Wunschkandidat" vieler SPD-Abgeordneter, nämlich Gerhard Schröder, abgesagte. Der Kanzler machte schnell klar, dass man ihm damit doch etwas zu viel zumuten würde. Dann verweigerte sich aber auch sein Wunschkandidat, der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck. Dabei hätte Platzeck auf dem Posten des durch die Welt tourenden Ministers zu einem potentiellen Kanzlerkandidaten für 2009 aufgebaut werden können.

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