SPD
Kommentar: Gefühl der Leere

Die neu entdeckte Liebe zwischen Gerhard Schröder und der SPD treibt immer seltsamere Blüten. Mit einer fast schon kuriosen Heftigkeit klammern sich rechter wie linker Flügel der Partei an Schröder.

Die neu entdeckte Liebe zwischen Gerhard Schröder und der SPD treibt immer seltsamere Blüten. Mit einer fast schon kuriosen Heftigkeit klammern sich rechter wie linker Flügel der Partei an Schröder. "Nur mit unserem Kanzler" rufen der Seeheimer Kreis und die Parlamentarische Linke unisono, als ob das politische Schicksal der SPD mit Schröder verbunden sei, bis dass der Tod sie scheidet.

Dieselben Leute, die jetzt ewige Verbundenheit schwören, haben Schröder aus dem Parteivorsitz getrieben und letztlich wohl auch aus dem Kanzleramt. Wenn die Parlamentarische Linke Schröders Agenda 2010 nicht bekämpft hätte, wäre es womöglich nicht zur Neuwahl und damit nicht zum Machtverlust von Rot-Grün gekommen. Dann wäre Gerhard Schröder noch bis zum Oktober 2006 Regierungschef geblieben, vielleicht hätte er sogar noch eine dritte Bundestagswahl gewinnen können. Dass es anders kam, hat mit der tiefen Beziehungsstörung zwischen Schröder und großen Teilen der SPD zu tun.

Erst am Ende der Ära Schröder können der Boss und die Genossen emotional zusammenfinden. Denn der scheidende Kanzler muss keine unpopulären Sozialreformen mehr durchsetzen. Außerdem merkt die Partei erst jetzt, wo sie Schröder verliert, was sie an ihm hat. Bei allen Mängeln in der politischen Strategie war und ist Schröder eine charismatische Führungspersönlichkeit und ein gewiefter Taktiker. Sein bevorstehender Abgang hinterlässt ein Gefühl der Leere bei der SPD und ihren Wählern.

Bisher sucht die Partei vergeblich nach einem neuen Hoffnungsträger: Matthias Platzeck will es nicht sein. Und den NRW-Wahlverlierer Peer Steinbrück wird die Partei, wenn überhaupt, nur widerwillig akzeptieren.

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