SPD
Müde Drohung

Steht das Comeback des Oskar Lafontaine bevor? Ist der Applaus, mit dem die Saar-SPD auf ihrem Bexbacher Parteitag den verfemten Ex-Parteichef feierte, das erste Anzeichen dafür? Wird Lafontaine Saarbrücken wie einst Napoleon sein Elba verlassen und seine gedemütigte und orientierungslose Partei im Sturm zurückerobern?

Die SPD geht durch ihre schwerste Krise seit Gründung der Bundesrepublik. Lafontaine hat 1995 auf dem Mannheimer Parteitag mit dem Sturz Rudolf Scharpings sein Napoleon-Potenzial unter Beweis gestellt. Doch trotz Händedruck mit Müntefering bleibt es dabei: Er steht außerhalb des Führungszirkels. Sollte Lafontaine dennoch ein Comeback versuchen, würde er sein Waterloo erleben. Niemand, der in der SPD etwas zu melden hat, kann ihm seine Fahnenflucht 1999 verzeihen: Mit seinem überstürzten Rückzug aus allen politischen Ämtern hat er die Partei in schwerer Zeit alleine gelassen.

Lafontaine ist eben kein Napoleon. Er selber traut sich die neue Herausforderung nicht zu: Dem Kampf um die Spitzenkandidatur an der Saar ist er ausgewichen. Wichtiger ist: Bevor die SPD Lafontaine wieder an Bord holt, müsste sie ihr komplettes Führungspersonal austauschen. Und die Krise bedrückt die Partei zwar, hat sie aber nicht völlig kopflos gemacht.

Noch nicht jedenfalls. Keiner kann sagen, wie die Partei reagiert, wenn sie 2006 womöglich nur noch in Mainz, Schwerin, Berlin und Bremen regiert. Doch noch ist es nicht so weit. Und die SPD würde ihren Niedergang nur beschleunigen, liehe sie den Drohungen und Verlockungen von der Saar ihr Ohr. Solange sie das weiß und die sozialdemokratische Verzweiflung die Vernunft und den Selbsterhaltungstrieb nicht zu überwiegen beginnt, ist Europa vor Napoleon sicher.

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