SPD
Von Mainz in die Welt

Willy Brandt mit John F. Kennedy vor dem Schöneberger Rathaus, Helmut Schmidt an der Seite von Giscard d’Estaing, Gerhard Schröder Arm in Arm mit Wladimir Putin: SPD-Kanzler haben mindestens ebenso gerne wie Adenauer und Kohl Außenpolitik betrieben. Am liebsten auch ganz persönlich, immer locker im Gespräch mit den Großen dieser Welt. Kurt Beck aus Mainz ist noch nicht ganz so weit. Er will erst Kanzler werden. Dennoch: Locker ist er auch schon. Benötigen die Amerikaner einen Raketenschild? Warum denn. Soll man die Taliban zu einer Friedenskonferenz einladen? Why not. Was wird wohl als Nächstes kommen? Mainz in den Uno-Sicherheitsrat?

Im Amt seines Parteifreundes Frank-Walter Steinmeier dürften in diesen Tagen die Alarmlampen – parteikonform – rot glühen. Denn der künftige Kanzlerkandidat der SPD verscherzt es sich ohne Not mit Deutschlands wichtigstem Bündnispartner und treibt der Union die Zornesröte ins Gesicht. Dass Beck angesichts einer dominierenden EU-Ratspräsidentin Angela Merkel wenigstens ein bisschen außenpolitisches Profil gewinnen will, dafür hat jeder Verständnis. Aber so?

Eine kurze Besinnung täte gut. Ein ruhiger Blick über die langsam austreibenden Weinstöcke der Heimat, ein stiller Augenblick unter dem Wegekreuz. Denn wie der Außenpolitiker Beck im letzten Jahr begann, so war’s doch gut. In der verzwickten Diskussion über einen Einsatz der Bundeswehr im Libanon schlug der SPD-Chef eine „seeseitige“ Beteiligung vor – im Nachhinein gesehen die Lösung. Doch offenbar hatte Beck sich da auch sehr sachkundig gemacht, Optionen erwogen, vorher Rat eingeholt. Gerade so, wie man es macht auf dem jämmerlich glatten internationalen Parkett.

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