Spekulationen um Mehdorn-Nachfolge
Kommentar: Bahnchef-Auswahl kaum vor nächster Bundestagswahl

Wenn im politischen Raum um Nachfolge-Kandidaten spekuliert wird, dann hat das meist die eine oder die andere Stoßrichtung: Entweder soll der Amtsinhaber beschädigt oder der öffentlich gemachte Kandidat von vornherein just damit aus dem Rennen gebracht werden. So könnte es auch bei der Spekulation sein, dass Ex-EnBW-Chef Utz Claassen Nachfolger von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn werden soll.
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Wenn im politischen Raum um Nachfolge-Kandidaten für Ämter und Aufgaben spekuliert wird, dann hat das aller Erfahrung nach meist die eine oder die andere Stoßrichtung: Entweder soll der Amtsinhaber beschädigt oder der öffentlich gemachte Kandidat von vornherein just damit aus dem Rennen gebracht werden. Genauso könnte es auch bei den heute bekannt gewordenen Vermutungen darüber sein, dass der frühere EnBW-Chef und heute großzügigst dotierte Frührentner Utz Claassen Nachfolger von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn werden soll ­- als Vorstandschef an der Spitze jener Unternehmensteile, die als DB Mobility Logistics im November zu 24,9 Prozent an die Börse gehen sollen.

Abgesehen davon, dass Claassen in den letzten Jahren immer wieder genannt wurde, wenn es Spekulationen über einen vorzeitigen Rücktritt des Bahnchefs gab, dürfte das Rennen noch lange nicht gelaufen sein. Dafür gibt es einen triftigen Grund: Der Posten des Vorstandschefs bei der Bahn ist und bleibt auch nach der Teilprivatisierung ein in hohem Maße politischer Job. Und keine Regierung in Berlin wird sich das Recht nehmen lassen, diese Stelle nach eigenem Gusto zu besetzen.

Das bedeutet: Selbst wenn jetzt, wie behauptet, Aufsichtsratschef Werner Müller und einige Genossen den - wie einst Mehdorn - zu den Freunden von Gerhard Schröder gezählten Claassen favorisieren, heißt das noch lange nicht, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel mitspielt. So signalisierte denn auch bereits das Kanzleramt, dass man nicht sehr amüsiert sei über die Personalie und darum herum rankende Absichten, weitere verdiente Genossen in Ämtern und Würden unterzubringen.

Unwahrscheinlich ist, dass die angestoßene Personaldiskussion nun lawinenartig zu einem raschen Führungswechsel bei der Bahn führt. Investmentbanker haben schon vor Wochen davor gewarnt, den Börsengang mit einer Debatte um das Management des Bahn-Konzerns zu belasten. Anleger wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben, und so gilt die Faustregel, das Führungspersonal einer Aktiengesellschaft zumindest in den ersten ein, zwei Jahren nach dem Börsengang nicht auszutauschen. Damit wird Kontinuität versprochen, letztlich die Börsenstory glaubhafter.

Mehdorn selbst dürfte die gegenwärtige Diskussion völlig gelassen abwarten können. Er verwies erst kürzlich auf seinen bis 2011 laufenden Vertrag. Nach der derzeitigen Konstellation soll er Chef der Bahn-Holding mit dem völlig staatlich bleibenden Netz und in Doppelfunktion für eine Übergangszeit auch Vorstandschef der künftigen Börsentochter sein. Das allerdings kaum bis 2011, da es in der Politik Widerstände gegen das zweifache Amt gibt. Doch vorstellbar ist sicher, dass Mehdorn im Jahr davor abtritt, sobald das Going Public unter Dach und Fach ist.

Wer dann Bahnchef wird, ist derzeit völlig offen. Es gilt im politischen Berlin als völlig ausgeschlossen, dass vor dem Hintergrund der komplexen Gemengelage rund um den Börsengang eine Entscheidung noch vor der Bundestagswahl 2009 fällt. Das heißt: Der nächste Bahnchef wird erst von der nächsten Regierung bestimmt.

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