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Spiel auf Zeit bei der Fraspa

Die Nacht der langen Messer bei der Frankfurter Sparkasse fiel aus. Überraschend schnell einigten sich die Mitglieder des Trägervereins der Sparkasse gestern am späten Abend auf eine Beibehaltung des status quo. Man will vorerst wirtschaftlich selbständig bleiben und gleichzeitig die Sicherheiten des öffentlich-rechtlichen Verbunds genießen. Das erwartete dramatische Kräftemessen zwischen Befürwortern und Gegnern einer Veräußerung wurde vertagt. Damit demonstrierten die Mitglieder der Polytechnischen Gesellschaft, die 60 Prozent der Stimmrechte an der Fraspa halten, nach außen Beständigkeit und Gelassenheit.

Bis zum 30. Juni soll die Investmentbank Goldman Sachs jetzt prüfen, welche Zukunftsoption die beste sein könnte. Zur Auswahl stehen neben dem Beharren auf der Eigenständigkeit ein Verkauf von Anteilen an die hessisch-thüringische Sparkassenorganisation oder der Verkauf an eine Privatbank. Aber dieses Spiel auf Zeit ist tückisch. Denn die Finanzaufsicht wird nicht locker lassen, die Rolle des Verwaltungsrats zu hinterfragen. Noch immer ist die Frage ungeklärt, wer letztlich die Verantwortung für die schwere wirtschaftliche Misere der Fraspa zu tragen hat, die tief in die roten Zahlen gerutscht ist. Selbst wenn der frühere Vorstandssprecher Klaus Wächter, der heute im Verwaltungsrat sitzt, auf Druck der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht seinen Sessel räumt, bleiben Fragen nach der eigenartigen Eigentümerstruktur der viertgrößten Sparkasse Deutschlands.

Am Ende wird jeder einsehen müssen, dass die Fraspa mittelfristig neue Träger braucht, die uneingeschränkt zu ihrem Institut stehen und deren Entscheidungen transparent und nachvollziehbar sind. Das theaterreife Ränkespiel um die Sparkasse mit ihren unendlichen Schlammschlachten strapaziert die Nerven der Kunden und Mitarbeiter. Die Stadt Frankfurt, die die restlichen 40 Prozent hält, hat die Zeichen der Zeit erkannt und würde lieber früher als zu spät aussteigen. Die historische Chance für einen Neubeginn bei der Fraspa wurde gestern fast vertan. Bei der nächsten sich bietenden Möglichkeit sollte man sie nutzen.

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