Spiel um ABN Amro
Kommentar: Das Ende der Tabus

Das Endspiel um die größte Bankenübernahme aller Zeiten ist angepfiffen. Mit ihrem höher als erwarteten Angebot für den Konkurrenten ABN hat die britische Großbank Barclays in der Frühphase des Spiels einen schönen Treffer erzielt. Aber nicht nur das – die Tatsache, dass Barclays das wertvolle US-Geschäft von ABN weiterverkaufen will, um den Aktionären mehr bieten zu können, hat die gegnerische Abwehr völlig aus dem Konzept gebracht. Ein Dreier-Konsortium unter der Führung der Royal Bank of Scotland (RBS) arbeitet zwar noch immer an einem Gegengebot, aber ein Treffen mit dem ABN-Management sagte die RBS–Mannschaft am Montag überraschend ab. Ganz offenbar muss sich das Team erst neu sortieren.

Unter normalen Umständen dürfte die Gruppe kein Problem haben, die Offerte von Barclays zu übertreffen. Aber Endspiele haben ihre eigenen Gesetze, und so hat Barclays nach dem frühen Treffer gute Siegchancen. Denn die Offerte der Engländer ist simpel, sauber und transparent, während sich das RBS-Konsortium an einem komplexen Deal versucht, für den es keinen Präzedenzfall gibt.

Auch wenn das Enspiel gerade erst begonnen hat, eines lässt sich bereits jetzt sagen. Der Kampf um ABN wird die europäische Bankenlandschaft verändern. Allein die Tatsache, dass drei Institute gemeinsame Sache machen, um einen Konkurrenten zu zerschlagen, zeigt, dass es keine Tabus mehr gibt. Manager wie Barclays-Chef John Varley glauben, dass die Branche schon bald von einer handvoll Banken mit einem Börsenwert von mehr als 100 Milliarden Dollar beherrscht wird.

Teilt man diese These, spricht alles für mehr Elefantenhochzeiten. Doch bislang ist Varleys Glaubensbekenntnis unbewiesen. Im Gegenteil: In den vergangenen Jahren schnitten die größten Banken der Welt an der Börse schlechter ab als kleinere, wendigere und vielleicht effizientere Institute.

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