Spitzelaffäre: Gute Sitten zweitrangig

Spitzelaffäre
Gute Sitten zweitrangig

Natürlich ist es ein Skandal erster Güte, wenn Geheimdienste ausgerechnet den Uno-Generalsekretär ausspionieren. Nur: Als Schock kann die Affäre kaum gewertet werden.

Natürlich ist es ein Skandal erster Güte, wenn Geheimdienste ausgerechnet den Uno-Generalsekretär ausspionieren. Auch das Belauschen der beiden ehemaligen Uno-Chefwaffeninspektoren Blix und Butler fällt in diese Kategorie. Nur: Als Schock kann die Affäre kaum gewertet werden. Denn man man sollte keine Illusionen pflegen: Derlei Machenschaften sind längst makabere Alltagsroutine. Auch und gerade in demokratischen Staaten - was die Sache eben besonders unappetitlich macht. Denn die einst gültigen Spielregeln von Diplomatie und Geheimdiensten, wonach Freunde keine Freunde, schon gar nicht alliierte Partner bespitzeln, sind längst außer Kraft.

Spätestens seit der Beendigung des Kalten Krieges haben sich die globalen Interessen und damit auch die jeweiligen Prioritäten verschoben. Das Thema Irak liefert ein prägnantes Beispiel. So war beim Streit um eine Uno-Resolution als Alibi für einen Waffengang die Strategie der Kriegsgegner im Sicherheitsrat von hohem Interesse. Und zu Gunsten des eigenen Vorteils sind gute Sitten allenfalls zweitrangig.

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