Sportartikelbranche
Fit for Profit

Die Sportartikelbranche boomt und steht vor weiteren teuren Übernahmen. Gleichzeitig wächst in den Schwellenländern Russland, Indien und China eine Mittelschicht heran, die in ihrer Freizeit viel Geld ausgibt. Davon profitiert die Sportindustrie wie kaum eine andere Branche. Dabei lauern durchaus Risiken am Horizont. Ein Kommentar.

In Peking, Delhi, Bangkok und Kuala Lumpur will, wer Geld hat, das auch zeigen. Und so schmücken sich die Menschen mit Marken, die von Wohlstand zeugen und ein sportliches Image transportieren.

Dazu kommt: Wo die Menschen mehr in der Tasche haben, da entstehen Golfclubs, da eröffnen Fitnessstudios, da wird gelaufen und geradelt. Auf diese Art und Weise gewinnen die Sportkonzerne mit der boomenden Weltwirtschaft Millionen neue Kunden auf der ganzen Erde. Doch nicht nur deshalb geht es der Sportbranche blendend. Die drei führenden Sportartikelanbieter der Welt – Nike, Adidas und Puma – profitieren auch davon, dass ihre Produkte enorm teuer sind. Da gibt es Laufschuhe, die für mehr als 200 Euro über den Ladentisch gehen. Selbst ein einfaches T-Shirt mit dem Raubtier-Logo von Puma wird kaum für weniger als 20 oder 30 Euro verkauft.

Das Pfiffige an dem Geschäftsmodell ist, dass die Ware fast immer aus Fabriken in Billiglohnländern stammt. Das heißt: Arbeiter in China oder Vietnam kleben für einen Minilohn die Schuhe zusammen. Verkauft werden die Shirts in den Kaufhäusern von Schanghai oder Hongkong aber zu europäischen Preisen.

Kein Wunder, dass dies den Anlegern gefällt. Denn das Geschäft läuft rund. Das spiegelt sich in den Aktienkursen wider. Die Puma-Aktie ist in den vergangenen drei Jahren von 200 Euro auf mehr als 330 Euro geklettert. Die Franken haben Umsatz und Gewinn regelmäßig um einen zweistelligen Prozentsatz gesteigert. Die Aktionäre sind so verwöhnt, dass ein Plus im einstelligen Bereich, wie es Puma-Chef Jochen Zeitz gestern für 2007 angekündigt hat, bereits eine herbe Enttäuschung ist.

Den Luxusgüterkonzern PPR interessiert die Delle nicht: Die Franzosen wollen mehr als fünf Mrd. Euro auf den Tisch legen, um Puma zu kaufen. Das ist viel Geld für eine Firma, die Anfang der 90er-Jahre noch so gut wie pleite war. Nicht zu vergessen: Puma ist ein Konzern, der wenig mehr besitzt als eine bekannte Marke, einen weltweiten Vertrieb und eine kreative Marketingabteilung. Eigene Fabriken gibt es nicht mehr.

PPR hat guten Grund, sich Puma einzuverleiben. Denn die ganze Branche darf sich auf goldene Zeiten freuen. Auch in den etablierten Märkten in Westeuropa und Amerika ist noch viel zu holen. Immer mehr Menschen wird bewusst, dass sie um Sport nicht herumkommen, wenn sie etwas für ihre Gesundheit tun wollen. Dazu braucht es neuer Turnschuhe und neuer Leibchen.

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