Sportwetten
Von Sport, Kunst und Lügen

Wer die Untersagung der Geschäfte für den Sportwetteanbieter Bwin verstehen will, muss ein wenig abstrahieren. Dann sieht er handelnde Personen wie den sächsischen Staatssekretär Jürgen Staupe. Der ist nebenbei Aufsichtsrat von Sachsenlotto. Und Sachsenlotto ist Mitbetreiber von Oddset, dem staatlichen Rivalen von Bwin.

Keine ungewöhnliche Konstellation: In Bremen führt der gegen private Wettanbieter schießende Bürgermeister Thomas Röwekamp den Aufsichtsrat von Lotto Bremen. Ob in dieser Konstellation unabhängige Entscheidungen fallen, darf bezweifelt werden.

Angeblich geht es den Volksvertretern im Kampf gegen die privaten Wettfirmen um den Schutz vor Spielsucht. Eine Begründung, die den Intellekt der Bürger beleidigt: Wären die Politiker wirklich an der Suchtbekämpfung interessiert, würden sie Sportwetten verbieten. Oder die Oddset-Abgaben zur Suchtbekämpfung einsetzen.

Seien wir ehrlich: Den Regierenden geht es allein um die Sicherung eines hohen Allgemeingutes – Geld. Nein, nicht die Oddset-Abgaben. Das waren nur 50 Millionen Euro im Jahr 2004. Ihre Angst ist: Kippt das Sportwettenmonopol, folgen bald Lotto und Glücksspiel.

Und da ist deutlich mehr im Spiel: Rund eine halbe Milliarde Euro machen die Abgaben der Lottogesellschaften aus, dazu kommen die Gelder aus Spielbanken. Und mit denen leistet sich manche Landesregierung zum Beispiel Kunstsammlungen und Musikwochen. Und die Aufsichtsratsposten wären dann auch nicht mehr so angenehm.

Um all das zu sichern, ist jede noch so bizarre Rechtsverschwurbelung willkommen. Dass die Öffnung des Marktes und eine geschickte Handhabung der Wettsteuer womöglich deutlich höhere Einnahmen bringen könnten, so weit reicht die Vorstellungskraft nicht.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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