Springer
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Ach, hätten doch die Manager des Springer-Konzerns dieses unscheinbare Wort „kategorisch“ vermieden. Mit diesem absoluten Nein stemmten sie sich bis vor wenigen Tagen gegen den Verkauf eines der Sender der Pro-Sieben-Gruppe, wie es das Kartellamt forderte. Plötzlich ist alles anders.

Springer will den Sender Pro Sieben herausschneiden, separat verkaufen und sich mit dem Rest der Gruppe begnügen. Macht der schnelle Wechsel mitten in der Schlacht Sinn? Oder ist es nur der letzte Schuss vor dem Rückzug?

Könnte man eine TV-Gruppe neu auf dem Reißbrett entwerfen, wäre die neue Lösung gar nicht so abwegig. Die Münchener TV-Gruppe litt immer unter der Doppelspitze von zwei starken Sendern. Pro Sieben brachte den Gewinn, war aber als Abspielsender für Filme und Serien wegen seiner Struktur nicht flexibel genug, um wirklich eine Gefahr für die RTL-Konkurrenz zu werden. Sat 1 wiederum hatte immer das breitere Potenzial, konnte schneller auf Trends reagieren, war geeigneter als Live-Sender für große Shows oder Sportsendungen.

Beide Sender behinderten sich in ihrer Entfaltung, bei einer Trennung könnten sie sich besser entwickeln, müssten nicht mehr Rücksicht auf den anderen nehmen. Sat 1 hätte zudem mit Kabel 1 und dem Nachrichtensender N 24 eine ähnlich schlagkräftige Struktur wie die deutsche RTL-Gruppe.

So weit die Theorie. In der Praxis ist es aber einfacher, eine Pipeline über die Anden zu legen, als zwei große Konzerne zu fusionieren. Und nun soll eine noch nicht einmal vollzogene Fusion in Teilen wieder rückgängig gemacht werden. Für Scharen von Juristen und Wirtschaftsprüfern brächen goldene Zeiten an.

Den Managern von Pro Sieben steckt noch die letzte Fusion in den Knochen. Vor mehreren Jahren wurde in einem mühsamen Prozess die extrem erfolgreiche Münchener Pro-Sieben-Gruppe mit Sat 1 in Berlin fusioniert. Die Gewinne fielen wie Blei, der Aktienkurs dümpelte auf tiefstem Grund. In einem mühsamen Prozess verzahnte das Unternehmen die verschiedenen Abteilungen, baute eine schlagkräftige Vermarktung für alle Sender auf, organisierte den Film- und Serieneinkauf neu und rationalisierte die teuren Nachrichtensendungen unter dem Dach von N 24, der inzwischen ebenfalls Gewinne schreibt, was wohl nur in diesem Verbund möglich ist.

Wie werden die Aktionäre reagieren, wenn dieser mühsame Prozess wieder rückwärts läuft? Jahrelang hatten sie sich mit geringen Dividenden abfinden müssen. Sie werden sich wehren, werden klagen. Das Management von Pro Sieben muss sich schon aus juristischen Gründen gegen eine Zerschlagung wehren. Ungewissheit ist immer schlecht fürs Geschäft.

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