Staatsverschuldung

Amerika braucht den Wechsel

US-Präsident Barack Obama erregt sich über einen Gastbeitrag des Wirtschaftsberaters von Mitt Romney im Handelsblatt. Zu Unrecht: Der wirkliche Aufreger ist Obamas Schuldenpolitik. Ein Kommentar.
28 Kommentare

"Obama missed the point"

Amerika hat bei der Wahl im Jahr 2008 den falschen Mann zur falschen Zeit gewählt. Barack Obama versteht die Ursachen der Krise nicht, die uns zu schaffen macht. Ihm fehlt der innere Kompass für die Umwelt, in der wir uns bewegen. Sonst würde er seine eigenen Landsleute nicht immer tiefer in den Schlamassel führen. Und sonst hätte er den Handelsblatt-Gastautor Glenn Hubbard nicht derart hart angegangen.

Obama nutzte das G20-Treffen in Los Cabos, Mexiko, um sich gegen die Kritik an seiner Schuldenpolitik und die Tatsache, dass sie in einer deutschen Wirtschaftszeitung vorgetragen wurde, zu verwahren. „Es kann nur einen Präsidenten zur gleichen Zeit geben“, sagte er. „Der inneramerikanische Wahlkampf hat am Atlantik zu stoppen.“

Gabor Steingart  Quelle: Andreas Fechner für Handelsblatt
Der Autor

Gabor Steingart ist der Herausgeber des Handelsblatts.

(Foto: Andreas Fechner für Handelsblatt)

Anlass für die harten Worte war der Gastkommentar des obersten Wirtschaftsberaters des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Mitt Romney. Glenn Hubbard, Dekan der Columbia Business School in New York, hatte unter der Überschrift „Nicht von Amerika lernen“ davor gewarnt, die exzessive Schuldenpolitik fortzusetzen. Und den Deutschen davon abgeraten, Euro-Bonds einzuführen.

Obama aber drängt die Deutschen, seinem Beispiel zu folgen. Obwohl niedrige Zinsen, eine Importsucht und eine beispiellose private und öffentliche Verschuldung in die Krise führten, will der US-Präsident sie genau so bekämpfen: mit niedrigen Zinsen und mit einer Verschuldung, deren Limit der Himmel zu sein scheint. 3,5 Milliarden Dollar gibt Amerika mehr aus, als es einnimmt – pro Tag.

Amerika besitzt viermal mehr Einwohner als Deutschland. Aber Amerika hat sechsmal mehr Schulden als wir. Wäre der US-Staatshaushalt ein Cadillac und würde eine Verschuldung von 50 Prozent eine Reisegeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde bedeuten – dann hätte sich das Tempo von 90 Kilometern pro Stunde zu Zeiten von Richard Nixon auf 140 Stundenkilometer zu Zeiten von Ronald Reagan auf mehr als 180 Kilometer pro Stunde im letzten Amtsjahr von George W. Bush gesteigert. Obama rast mittlerweile mit Tempo 270 durch die Lande. Die Staatskarosse qualmt. Das Risiko eines Unfalls steigt. Der Schuldenstand ist höher als der in der Euro-Zone. Aber Obama will weiter Gas geben.

Ronald Reagan war 1981 der Erste, der die für ein Land unbequeme Wahrheit aussprach. In seiner Rede zur Lage der Nation vom 5. Februar 1981 sagte er: „Das Budget unseres Landes ist außer Kontrolle. Wir sind konfrontiert mit einem Defizit für das abgelaufene Haushaltsjahr von 80 Milliarden Dollar. Das Defizit ist größer als das ganze Budget des Jahres 1957. Während der Jahre von 1960 bis 1980 ist unsere Bevölkerung nur um 23,3 Prozent gewachsen. Das Budget aber wuchs um 528 Prozent. Der Kongress beschloss 1971 eine Schuldenobergrenze. In diesen zehn Jahren zwischen 1971 und 1981 wurde die Schuldenobergrenze 21-mal angehoben, und nun drängt man mich, sie erneut anzuheben. Dabei bin ich erst 16 Tage im Amt.“

Amerika könnte einen Mann der Wirtschaft an der Spitze gebrauchen
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28 Kommentare zu "Staatsverschuldung: Amerika braucht den Wechsel"

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  • Falsch die jetzige Verschuldung begann mit dem Vietnamkrieg.Konnten die Schulden des 1. und 2.Weltkrieges,sowoe der Koreainvasion noch auf Allierte,UNO und NATO abgewälzt werden,war das bei späteren,selbst angezettelten Kriegen und Revancefeldzügen nicht mehr möglich.
    Die Frage ist nicht ob,sondern wann die internationalen Gläubiger das Vertrauen in US-Staatspapiere verlieren.
    Noch schaut alles auf Europa,aber was wenn sich der Blickwinkel ändern sollte...?

  • Barack Obama zufolge hat „der inneramerikanische Wahlkampf ... am Atlantik zu stoppen.“ Obama hat offenbar eine Dopppelmoral.. Wer erinnert sich nicht an seinen ersten Wahlkampf in Europa, indem er sich in der Rolle eines politischen Heilsbringers gefiel? Schon vor Erscheinen des Artikels von Glenn Hubbard (08.06.2012) teilt der italienische Journalist Federico Rampini in der „La Repubblica“ (07.06.2012) seine Impressionen mit, die sich ihm während einer dreitägigen Wahlkampf-Reise mit Obama nach Kalifornien aufdrängten.

    Danach geht es Obama darum, „Angela Merkel demonstrativ zu isolieren“. Neben Francois Hollande sollen danach David Cameron, Mario Monti u.a. für eine „Strategie der Einkreisung der deutschen Kanzlerin“ angeworben werden. Er beklagt dabei nicht nur „den Starsinn von Merkel“, sondern er geht so weit, dass er die Notwendigkeit beschwört, die Kanzlerin zu einem Kurswechsel zu zwingen (mettere la cancelliera tedesca con le spalle al muro). Wenn es nicht Ende Juni zu einem Kurswechsel in der Wirtschafts- und Bankenpolitik kommt, dann trägt dafür allein Deutschland die Verantwortung.

    Dann lässt der lupenreine Demokrat Barack Obama die Katze aus dem Sack: Die Verantwortlichkeit der Kanzlerin wird auch dadurch nicht gemildert, „wenn Merkel Schwierigkeiten hat, die öffentliche Meinung in Deutschland zu überzeugen. Denn echte politische Führung besteht Obama zufolge in der Fähigkeit, die eigenen Wähler zu erziehen, die Gleichgewichte zu verschieben und Konsens zu schaffen.“

    Armin Hebel

  • Sie meinen sicher Frau Wagenknecht, Herrn Vossenkuhl und Herrn Gauck; aber ich sage Ihnen, das ist nicht mehr als ein Schaulaufen, reine politische Berechnung mit der klaren Erkenntnis, daß das alles sowieso sinnlos ist: Denn mit Prof. Sinn bin ich der Meinung, daß die Falle schon längst zugeschnappt ist, nämlich schon Anfang der Jahrtausendwende, als es um den Euro als Gemeinschaftswährung ging: Mitterand soll sich vorsichtig ausgedrückt haben: Machen wir es wie 1918, als wir die deutsche Wehrmacht kaputt gemacht haben, diese Waffe ist heute die DM. Die tumben Schmidt, Kohl und Schröder haben das m.E. gar nicht begriffen oder es war ihnen völlig Wurst. Begriffen hat das aber der deutsche Wähler auch nicht, denn die Leute, die heute Verfassungsklage einreichen, haben auch damals ziemlich einsam dagestanden. Und die jetzige politische Klasse trägt dieses Fantasieprojekt Euro vor sich her wie ein Dogma, ob sie es begreifen oder nur fest daran glauben.

  • „Der inneramerikanische Wahlkampf hat am Atlantik zu stoppen.“
    ---------------
    So Obma
    Das war kein Wahlkampf, sondern da geht es um Finanzen
    Und was meckert Obama denn? Er mischt sich doch laufend verstärkt bei uns ein.
    Obama war von Anfang ein Blender und ist es heute.
    Wie Bush, hat Obama nie über den Tellerrand geschaut bevor er ins Amt kam.
    Ahnlich wie Kohl, ein Provinzler.
    Und für das Amt war er nie tauglich
    Wer einer Merkel einen Orden verleiht wegen der deutschen Einheit, zeigt doch, dass er geschichtlich eine Riesennull ist und es nciht mal für nötig hielt, sich schlau zu machen. Das wäre Bush sen. nicht passiert
    Ein großer Teil der Generation der 40 bis Anfang/Mitte 50jährigen in der westlichen Welt ist eine Fehlbesetzung für höhere Ämter, sie taugen nichts mehr, es sind die Wohlstandskinderchen der Nachkriegszeit

  • Heute möchte ich den Kommentar von " Humanist " empfehlen.

    Herr Steingart schreibt mit eristischer Dialektik zur Außenpolitik während eine Kommunistin, ein Richter und der Bundespräsident über den größten Konkurs Deutschlands befinden.
    @ Herr Steingart, wohin werden Sie das "Handelsblatt" leiten?

  • Glaubt allen Ernstes jemand von der Kommentatoren oder Herrn Steingart das der Präsident der USA die Politik bestimmt die dort umgestezt wird... Ronald Reagan war ein Schauspieler und hat dann seine größte Rolle bekommen, Geld- und Wirtschaftspolitk findet in einem kleinen Kreis statt und der sagt wo es lang geht... wer Interesse hat schaut sich einfach mal an wer aktuell im Vorstand der FED sitzt, wer aktuell im Vorstand der Banken sitzt... und dann weiß man von Wem dieses Land regiert wird und dabei spielt das Volk nur als Kreditnehmer eine Rolle... das versucht man nun auf Europa zu übertragen... und übrigens bei den Bilderbergern ist schon lange das Ziel eine Währung für Alle, daher Dollar in Amerika, Euro in Europa und was noch nicht klappt eine Asiatische Währung... mit dem Ziel Dollar = Euro sind wir ja bestens auf dem Weg, da machen die US Rating Agenturen einen guten Job :-(
    Die USA ist wesentlich höher Verschuldet als Griechenland aber die rating Agenturen werten die USA natürlich nicht ab, Nationalismus...

  • Bitte zerbrechen Sie sich nicht den Kopf der Amerikaner! Die haben längst einen Plan zur Sanierung ihrer Staatsfinanzierung: Plünderung der Ölreserven des Iran.

    Gestern auf Bloomberg TV hat James Baker im Interview mit Ch. Rose erklärt, dass er einen Strike gegen den Iran innerhalb der nächsten 12 Monate erwartet. Hillary Clinton, die anwesend war, hat dem nicht widersprochen.

  • ja, der mann läßt sich jeden tag den einsatz zig unbemannterflugobjekte vorführen. diese treffen wenn auch immer. werden aber sicherlich nicht die wesentlichen problem der welt lösen. vielleicht verstehen dies einige hier: der mann ist auf dem egoschutter trip.

  • Ronald Reagan war ein Held und der beste US-Präsident nach 1945. Wer das sagt? Das US-amerikanische Volk! Es ist erstaunlich, daß Gabor Steingart, einer jener, der Obama in seinem Wahlkampf als Messias beschrieben hat, erst jetzt zu der Erkenntnis kommt: Der US-Präsident ist nur die heiße Luft, die ihn umgibt. Eines ist die Konstante der Weltgeschichte: Sozis haben die Wirtschaft noch immer an die Wand gefahren. Allerdings sind auch Republikaner nicht vor Unsinn gefeit. Die exorbitant hohen Militärausgaben haben z.B. das US-Budget unter Bush jr. massiv belastet. Der zukünftige Weg der USA - hoffentlich ohne den Prediger Obama - wird wirtschaftlich sehr steinig. Die Korrektur der Keynes-Politik a la Krugman et al. wird Opfer verlangen. Das größere Land, das strategisch am besten aufgestellt ist: Deutschland! Aber nur so lange, so lange Merkel den Sozi-Geldverschwendern in allen Parteien und allen Ländern widersteht und die monetäre Bescheidenheit als politische Leitlinie beibehält. Opposition ist insbesondere gegenüber Frankreich und seinem unverschämtem Nationalismus und Etatismus angesagt. Hollande ist die größte Gefahr für Deutschland und Europa. Die "schwäbische" Merkel dagegen ist ein Segen für Deutschland und für die ganze westliche Welt!

  • Bush natuerlich und nicht Busch ;-)

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