Stahl
Gewaltiger Hunger

Mittal, Tata und jetzt Baosteel: Mit Chinas größtem Stahlproduzenten meldet ein weiterer Konzern aus einem Schwellenland seine Ansprüche an, zu den weltweit führenden Anbietern in der Branche aufzusteigen.

Die jahrzehntelang tonangebenden Konzerne aus Europa, Japan und den USA sollten die Herausforderung ernst nehmen. Wenn sie selbst nicht expandieren, laufen sie Gefahr, endgültig aus der Spitzengruppe verdrängt zu werden.Doch die Strategie der Angreifer ist grundverschieden. Mittal und die indische Tata Steel sind selbst für größere Übernahmen finanziell bestens gerüstet, weil sie im Moment gleich doppelt profitieren: von ihren im internationalen Vergleich extrem niedrigen Produktionskosten und den stark gestiegenen Rohstoffpreisen. Der Zugang zu eigenen Quellen und die weitgehende Selbstversorgung mit Kokskohle und Erz bescheren ihnen im Moment außergewöhnlich hohe Renditen. Nur deshalb kann sich Branchenprimus Mittal die 27 Milliarden Euro teure Übernahme des Luxemburger Konkurrenten Arcelor leisten und Tata den acht Milliarden Euro teuren Kauf der immerhin viermal größeren britisch-niederländischen Corus-Gruppe.

Baosteel hingegen profitiert hauptsächlich von dem riesigen Stahlhunger Chinas, das heute schon mehr als ein Drittel der weltweiten Produktion absorbiert. Wenn der Stahlverbrauch in China wie bisher Jahr für Jahr um 15 Prozent steigt und Baosteel nur im gleichen Tempo wächst, wird sich der Konzern automatisch in der Weltrangliste nach vorn schieben. Doch die Regierung in Peking will mehr. Sie forciert die Konsolidierung der stark zersplitterten chinesischen Stahlindustrie und verhilft Baosteel so zu Akquisitionsmöglichkeiten im Inland. Aber nach dem geplanten Börsengang im Jahr 2010 wird der Konzern auch im Ausland zuschlagen.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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