STAHL: Neue Machtverhältnisse

STAHL
Neue Machtverhältnisse

Das Schicksal des zweitgrößten europäischen Stahlkonzerns Corus zeigt, wie sich die Machtverhältnisse in der Industrie durch die Globalisierung verschieben.

Die Corus-Führung begab sich auf Partnersuche, weil die Herstellung eines so energie- und rohstoffintensiven Produkts wie Stahl ausschließlich in Westeuropa kein haltbares Geschäftsmodell mehr ist. Das britisch-niederländische Unternehmen musste akzeptieren, übernommen zu werden. Anders war die Partnerschaft nicht zu haben.

Den Corus-Aktionären kann das sehr recht sein. Sie können ihr Glück vermutlich noch immer nicht fassen. Dank der dramatischen Auktion am Ende eines langen Kräftemessens zwischen der indischen Tata Steel und der brasilianischen CSN haben sie einen phantastischen Preis für ein Unternehmen erzielt, das vor wenigen Jahren am Rande der Pleite stand. Auch der Vorstand, allen voran Vorstandschef Philippe Varin, kassiert bei der Übernahme etliche Millionen Euro.

Es fragt sich nur, was der Kauf durch Tata für die Corus-Werke und die Beschäftigten bedeutet. Sie sind allein durch die Übernahme noch nicht wettbewerbsfähiger geworden. Zudem lasten durch die im Private-Equity-Stil finanzierte Übernahme bald wieder hohe Schulden auf Corus. Eine neue Stahlflaute könnte dem Unternehmen schwer zusetzen.

Eins ist klar: Die Produktion einfachen Rohstahls geht in Großbritannien - und ganz Westeuropa – zu Ende. Stahlwerke in Schwellenländern liefern den preiswerten Rohstahl, der dann in Europa zu hochwertigen Endprodukten verarbeitet wird. Der Weltmarktführer Arcelor Mittal kann eine solche Arbeitsteilung intern vollziehen. Andere Stahlkonzerne werden gezwungen sein zu folgen, wenn sie nicht untergehen wollen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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