Stahlindustrie
Nur eine Verschnaufpause

Die Stahlkonzerne werden jetzt niedrigere Rohstoffpreise erzwingen können, doch geringere Fördermengen werden bald shon wieder für Auftrieb sorgen.
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Lange Zeit kannten die Preise für Eisenerz und Kohle nur einen Weg: steil nach oben. Die Minenbetreiber konnten den Stahlkonzernen die Preise diktieren, wuchs doch die Nachfrage schneller als das Angebot. Motor der Entwicklung war die boomende Wirtschaft Chinas mit ihrem ungeheuren Stahlhunger. Doch damit ist Schluss - zumindest vorerst.

Die Stahlnachfrage ist eingebrochen, der Bedarf an Erz und Kohle massiv geschrumpft. An den Spotmärkten sind die Preise deutlich gefallen. Die Stahlproduzenten können sich also berechtigte Hoffnungen machen, bei den anstehenden Preisverhandlungen erkleckliche Abschläge durchzudrücken.

Wie im vergangenen Jahr wird China als größter Produzent die Gespräche mit den Rohstoffkonzernen führen, die Konditionen werden dann von den anderen Stahlfirmen übernommen.

Schon vor Gesprächsauftakt kochen in Asien Forderungen nach einem Preisnachlass von 80 Prozent bei Eisenerz hoch. Wahrscheinlicher sind indes Abschläge von 20 bis 30 Prozent.Eine willkommene Linderung, stehen die Stahlkonzerne doch mit dem Rücken zur Wand. Auf der einen Seite setzt ihnen der Nachfrageeinbruch zu und auf der anderen die hohen Rohstoffkosten. Die beim letzten Vertragsabschluss von den Minenbetreibern diktierte Verdoppelung der Erzpreise ist noch immer gültig.

Leicht werden die Verhandlungen aber nicht, denn auch die Rohstoffkonzerne leiden unter der Wirtschaftsflaute. Rio Tinto etwa streicht 14 000 Arbeitsplätze; Minen werden stillgelegt und Investitionen in neue Produktionsstätten zurückgestellt. Deshalb werden beim nächsten Aufschwung Fördermengen fehlen, mangels Angebot die Erz- und Kohlepreise wieder steigen. Die Stahlkocher erhalten nur eine Verschnaufpause.

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