Stahlindustrie
Völlig abgehoben

Das Bietergefecht um den britisch-niederländischen Stahlkonzern Corus löst unter Fachleuten Kopfschütteln aus. Denn die Kaufgebote der beiden Interessenten haben mittlerweile eine Höhe erreicht, die auf Basis des voraussichtlichen Betriebsgewinns von Corus im nächsten Jahr nicht mehr zu rechtfertigen ist.

Offenbar sind die indische Tata und der brasilianische Konkurrent CSN von Torschlusspanik ergriffen. Denn mit Corus, gemessen an der Produktionsmenge die Nummer zwei in Europa, steht einer der letzten großen Stahlkocher zum Verkauf. Das lukrativste Unternehmen auf dem Kontinent, Arcelor, schnappte sich Ende Juni Mittal Steel. 26 Milliarden Euro ließ sich der Weltmarktführer die Übernahme kosten.

Bei den deutschen Anbietern Thyssen-Krupp und Salzgitter dürfte vorerst nichts zu holen sein. Beide Konzerne sind durch starke Großaktionäre vor einer Übernahme relativ gut geschützt. Und Italiens Riva-Gruppe, Europas Nummer drei, befindet sich ohnehin in Familienbesitz.

Mit dem Verkauf von Corus ist die Konsolidierung in Europa weitgehend abgeschlossen. Dies allein rechtfertigt die hohe Prämie, die Tata und CSN bei einer Übernahme zahlen wollen, nicht. Denn mit Corus kommt ausgerechnet das Unternehmen unter den Hammer, das seit Jahren nur mäßig verdient. Um fünf Prozentpunkte lag die operative Gewinnmarge zuletzt unter jener der Konkurrenz.

Dennoch bieten Tata und CSN jetzt für Corus den mehr als siebenfachen Betrag des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Mittal dagegen reichte ein Angebot in Höhe des 5,5fachen Ebitda, um den hochrentablen Konkurrenten Arcelor zu schlucken. Warum Tata und CSN für Corus noch tiefer in die Tasche greifen, bleibt ihr Geheimnis.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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